Artikel mit dem Tag „Stolpersteine“

Aufruf zur Übernahme von Patenschaften für STOLPERSTEINE in Freiberg

Am 28. September 2010 sollen in Freiberg 10 neue STOLPERSTEINE vor den einstigen Wohnhäusern von Opfern des NS-Regimes in Freiberg verlegt werden. Im Juli 2007 und Oktober 2008 waren hier die ersten 14 Steine durch den Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt worden, die die Erinnerung individuell und konkret in unsere Stadt holen und allen Versuchen des Verdrängens, Verschweigens und Vergessens entgegenwirken.

“Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist”, sagt der Initiator der Aktion. Er hat inzwischen in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas fast 20.000 Steine verlegt. Mit den in die Messingköpfe der Pflastersteine eingravierten Namen und Eckdaten wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten.

Im Aufruf der Freiberger Initiative „STOLPERSTEINE/ DENKZEICHEN für Opfer des NSRegimes“, in der sich am 28. März 2007 erstmals engagierte Freiberger Bürger, die Wirtschaftsjunioren Freiberg und Mitarbeiter des CJD zusammengefunden hatten, heißt es:

„Wir stellen uns mit dieser Initiative zur individuellen Erinnerung unserer gemeinsamen Verantwortung vor den Opfern nationalsozialistischer Gewaltherrschaft, deren Gesicht und Namen, Individualität und Menschenwürde bewahrt werden müssen.
Wir sehen uns zugleich in Verantwortung vor unserem demokratischen Gemeinwesen in der Stadt Freiberg als einer offenen, bürgerfreundlichen, toleranten und wirtschaftlich aufstrebenden Stadt, die sich allen Seiten ihrer Vergangenheit und der ihrer Bürger in Verantwortung für Gegenwart und Zukunft stellt.
Wir wenden uns mit unserer Initiative gegen jeden Versuch, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und totalitäre Ideologie erneut gesellschaftsfähig zu machen.
Wir setzen einen Gegenpol gegen Versuche, Jugendliche mit neonazistischen Wahnideen zu ködern, Intoleranz, Gewalt und antidemokratische Lösungen mehrheitsfähig erscheinen zu lassen und dafür unsere Geschichte durch Verleugnungen, Aufrechnungen oder `Schlussstrichdebatten`zu missbrauchen.“

Es gibt viele Möglichkeiten der Unterstützung dieser Initiative in unserer Stadt und in unserem Landkreis.

Für 95 Euro kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines STOLPERSTEINS übernehmen.

Wir suchen Unterstützung bei weiteren Recherchen zu den Schicksalen jener Menschen und deren Familien, an die ein STOLPERSTEIN erinnern soll.

Wir suchen Zeitzeugen und Dokumente, Fotos und Kontakte.

Wir suchen Helfer, die sich auch nach der Verlegung von STOLPERSTEINEN für den Erhalt, die Pflege und die Lesbarkeit der Steine verantwortlich fühlen.

Wir bieten Informationen, Hilfe bei Projekttagen z. B. in Schulen, Vorträge zum Thema, Literatur und ein umfangreiches Archiv, das alle Interessenten nach Rücksprache nutzen können.

Wer eine Patenschaft (95 Euro) für einen STOLPERSTEIN übernehmen möchte, wird um Einzahlung auf das Konto des CJD Chemnitz, Kto.-Nr. 125 047 100 bei der Commerzbank Chemnitz, BLZ: 870 400 00 unter Angabe des Verwendungszwecks: „Spende für Aktion Stolpersteine Freiberg 2010“ gebeten (Spendenbeleg wird zugesandt).

Fragen, Angebote weiterer Unterstützung bzw. Anforderungen erbeten an:

CJD - Geschichtswerkstatt im „Bunten Haus“
Ansprechpartner:
Dr. Michael Düsing, Uwe Scholz, Birgitt Pasternak
Tschaikowskistraße 57 a
09599 Freiberg
Tel.: 03731 201338
Email: bunteshaus[at]cjd-chemnitz.de

Geplante STOLPERSTEIN-Verlegungen 2010

Humboldstr. 34 (1 Stein)
• Szolem Druck – Humboldtstraße 34
* 1887; † Flucht in den Tod am 25.12.1938

Langestraße 41 (1 Stein)
• Max Freud – Lange Straße 41
* 1883; † 05.09.1942 KZ Dachau

Silberhofstraße 24 (1 Stein)
• Ida Dux, geb. Wehle – Silberhofstraße 24
* 1869; † gest. 15.04.1943 Vernichtungslager Treblinka

Weisbachstraße 23 (5 Steine)
• Ehepaar Abraham (* 1879) und Meta Wolff, geb. Taubenschlag (* 1887) – Weisbachstr. 23
Flucht in den Tod (Selbstmord nach Erhalt des Deportationsbefehls) am 22. bzw. 25.01.1942 in Berlin
Manfred (* 1920; † 1983 Leeds, GB) und Dorothea Gray, geb. Wolff , (* 1925;
† 2007, GB)
Flucht 1939; Kindertransport
Paula Brück, geb. Taubenschlag, (* 1885; † 1942 Auschwitz)

Burgstraße 22 (2 Steine)
• Gitta Braun, geb. Weiß – Burgstraße 22
* 1873; † 02.12.1942 Ghetto Theresienstadt
• Celestine Silberstein, geb. Weiß – Burgstraße 22
*1876; † 16.03.1943 Ghetto Theresienstadt

Die Verlegung erfolgt nach Zustimmung durch den Initiator der Aktion STOLPERSTEINE, Gunter Demnig (Köln), durch Mitarbeiter der Stadtverwaltung Freiberg, da G. Demnig an diesem Termin anderweitig gebunden ist.

Teilnahme an Verlegung haben bisher (neben Offiziellen der Stadt/LK) zugesagt:

· Richard Gray, Bournemouth, GB, Enkel v. Meta und Abraham Wolff
· Dr. Nora Goldenbogen, Vors. d. Jüdischen Gemeinde Dresden
· Dr. Ruth Röcher, Vors. d. Jüdischen Gemeinde Chemnitz
· Uta Franke, Berlin, Koordinatorin der Aktion „Stolpersteine“

Am Abend des 28.09.2010, 20:00 Uhr, wird im Kinopolis Freiberg der in Cannes ausgezeichnete Dokumentarfilm „Stolperstein“ gezeigt; anschließend Diskussion. Begleitend im Foyer des Kinopolis geplant: Posterausstellung „Stolpersteine in Freiberg“

Was lange währt, wird endlich gut?

Das ehemalige Schocken-Kaufhaus auf der Petersstraße

Das ehemalige Schocken-Kaufhaus auf der Petersstraße

Voraussichtlich nun im Mai 2010, nach etlichen Bauverzögerungen, soll das neue Einkaufszentrum in der Freiberger Petersstraße, am Ort des einstigen Schocken-Kaufhauses, seine Pforten öffnen und eine fast 100jährige Handelstradition an dieser Stelle wieder aufnehmen. Er wolle, so hatte der schwäbische Unternehmer Albrecht Maier, neuer Eigentümer des Grundstücks und Hauptinvestor, beim Baustart am 4. Juli 2008 wissen lassen, an die Tradition des einstigen Schocken-Kaufhauses sowie an die Lebensleistung der Schocken-Familie anknüpfen und dabei die leidvolle Geschichte der jüdischen Eigentümer nicht vergessen. Es bleibt spannend, ob und wie diese Absichtserklärung auch zur erfahrbaren Realität im neuen Einkaufszentrum werden wird.

Salman Schocken

Salman Schocken

Immerhin war die Geschichte des Freiberger Kaufhauses Schocken ebenso wie überhaupt die Geschichte des seinerzeit größten sächsischen Kaufhauskonzerns, der Leistungen seiner Gründer Simon und Salman Schocken, wie auch der Zerstörung ihres Lebenswerkes in Nazi-Deutschland, inzwischen fast völlig vergessen. Zwar hatten Abiturienten am Freiberg-Kolleg schon 1992/93 begonnen, die sorgsam auch in der DDR gehegten Mauern des Schweigens um das Thema „Juden in Freiberg“ einzureißen. Erste Ausstellungen und Broschüren, nach 1993 in Jugendprojekten beim CJD (Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands) in Freiberg fortgeführt, trugen die Geschichte endlich in die Öffentlichkeit. Aber erst 2007 widmete sich eine eigenständige, nun auf Wunsch der Stadt zustande gekommene Veröffentlichung der ausführlicheren Spurensuche nach der Geschichte des Freiberger Kaufhauses Schocken und seines Personals.

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Ausgabe #66 - Februar/März 2009

Editorial der Ausgabe Februar/März 2009 (#66)

Liebe Leserinnen und Leser,

mit ein klein wenig Verspätung erscheint die Februar/März/Ausgabe des FreibÄrger diesmal mit dem Thema “Ge(h)-Denken auf gut deutsch”. Anlass ist wie bereits in der letzten Ausgabe angekündigt der alljährliche
Naziaufmarsch in Dresden zwecks “Trauermarsch” anlässlich des Jahrestages der Bombardierung Dresdens im Februar 1945. Auch in diesem Jahr haben sich wieder mehrere Bündnisse unterschiedlicher Gruppen und Initiativen zusammengefunden um die Rechten an ihrem Zug durch die Stadt zu hindern. Wir haben das Bündnis “Vorbereitungskreis 13. Februar” interviewt und drucken auch ihren Aufruf zur Demo ab. Denn nicht allein das “Trauern” der Nazis ist problematisch. Vielmehr ist die Gedenkkultur in Deutschland im Allgemeinen und in Dresden im Besonderen sehr problematisch und führt allzu oft in die Umkehr von Tätern zu Opfern.

Da uns das Thema Gedenken in Deutschland als so wichtig und vielschichtig erschien, ist diese Ausgabe in erster Linie ein “Themenheft”, gut geeignet für einen Leseabend auf dem Sofa. Der dritte Teil der
Geschichte des Faschismus ist doch nicht kürzer geworden als die vorhergehenden, aber wieder genauso interessant und lehrreich.

Antifaschistische Grüße

Die Redaktion

Cover der Ausgabe #66 des FreibÄrger

Cover der Ausgabe #66 des FreibÄrger

Inhalt

Thema
Gedenkkultur in Deutschland
“Keine Versöhnung mit Deutschland”
Die Relativierung des NS durch die sächsische Gedenkstättenpolitik
Stolpersteine als Chance einer “neuen” Gedenkkultur
Die Rettung Deutschlands
Aufruf: Naziaufmärsche verhindern!

Theorie
Die Geschichte des Faschismus Teil III

Die Ausgabe als PDF

Stolpersteine als Chance einer “neuen” Gedenkkultur

“Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.” Gunter Demnig

Stolpersteine sind kleine Gedenktafeln im Straßenpflaster vor Wohnhäusern. Sie erinnern somit an den letzten Wohn- oder Wirkungsort von Opfern der nationalsozialistischen Terrorherrschaft, vor deren Deportation, Vertreibung und Verfolgung. Bei den Stolpersteinen handelt es sich um kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, die niveaugleich in das Pflaster eingelassen werden. Auf der Oberseite der Steine befindet sich stets eine individuell beschriftete Messingplatte. Die Beschriftung beginnt in der Regel mit den Worten “hier wohnte”, bevor weitere persönliche Angaben wie Name, Geburtsjahr, Jahr der Deportation folgen. Für 95 Euro kann eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines solchen Steines übernommen werden.

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