Artikel mit dem Tag „Nationalsozialismus“

Lügendetektor

lugendetektor1905 wird Saul Kussiel Padover als Sohn jüdischer Eltern in Wien geboren, wandert mit seiner Familie aber 1920 in die USA aus. Aufgrund seiner besonderen Kenntnisse über Deutschland wird er 1944 als Angehöriger der Division für psychologische Kriegsführung der US Army nach Deutschland geschickt. Er soll herausfinden, was in den Köpfen der Besiegten vor sich geht. Den alliierten Fronttruppen folgend, ist seine Einheit die erste, die sich ein genaueres Bild der Deutschen und ihrer Einstellungen in den frisch eroberten Städten macht. Padover führt vor allem Interviews mit „ganz normalen Menschen“, mit Arbeitern, Hausfrauen, Lehrer_innen, Kindern und entlarvt dabei, wie tief diese die nationalsozialistische Ideologie verinnerlicht haben. Immer wieder kommt er dabei auch in Konflikt mit amerikanischen Befehlshabern, die ehemalige Nazigrößen in Verwaltungsposten einsetzen, oder seine Arbeit behindern. Padovers Expertisen haben die Deutschlandpolitik der amerikanischen Militärregierung unmittelbar beeinflusst und auch später hat Eisenhower die Ratschläge zu Rate gezogen und beherzigt.

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Was lange währt, wird endlich gut?

Das ehemalige Schocken-Kaufhaus auf der Petersstraße

Das ehemalige Schocken-Kaufhaus auf der Petersstraße

Voraussichtlich nun im Mai 2010, nach etlichen Bauverzögerungen, soll das neue Einkaufszentrum in der Freiberger Petersstraße, am Ort des einstigen Schocken-Kaufhauses, seine Pforten öffnen und eine fast 100jährige Handelstradition an dieser Stelle wieder aufnehmen. Er wolle, so hatte der schwäbische Unternehmer Albrecht Maier, neuer Eigentümer des Grundstücks und Hauptinvestor, beim Baustart am 4. Juli 2008 wissen lassen, an die Tradition des einstigen Schocken-Kaufhauses sowie an die Lebensleistung der Schocken-Familie anknüpfen und dabei die leidvolle Geschichte der jüdischen Eigentümer nicht vergessen. Es bleibt spannend, ob und wie diese Absichtserklärung auch zur erfahrbaren Realität im neuen Einkaufszentrum werden wird.

Salman Schocken

Salman Schocken

Immerhin war die Geschichte des Freiberger Kaufhauses Schocken ebenso wie überhaupt die Geschichte des seinerzeit größten sächsischen Kaufhauskonzerns, der Leistungen seiner Gründer Simon und Salman Schocken, wie auch der Zerstörung ihres Lebenswerkes in Nazi-Deutschland, inzwischen fast völlig vergessen. Zwar hatten Abiturienten am Freiberg-Kolleg schon 1992/93 begonnen, die sorgsam auch in der DDR gehegten Mauern des Schweigens um das Thema „Juden in Freiberg“ einzureißen. Erste Ausstellungen und Broschüren, nach 1993 in Jugendprojekten beim CJD (Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands) in Freiberg fortgeführt, trugen die Geschichte endlich in die Öffentlichkeit. Aber erst 2007 widmete sich eine eigenständige, nun auf Wunsch der Stadt zustande gekommene Veröffentlichung der ausführlicheren Spurensuche nach der Geschichte des Freiberger Kaufhauses Schocken und seines Personals.

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Einsames Erinnern

Kundgebung in Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am Rathaus

Kundgebung in Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am Rathaus

Das “Supergedenkjahr” 2009, in dem 60 Jahre BRD und 20 Jahre Ende der DDR gefeiert wurden, ist zum Glück endlich vorbei. Zum Glück deshalb, weil die stetige Ideologieproduktion dieser nationalen Feierlichkeiten unerträglich war und weil ihr Kern die Integration von Individuen in ein Zwangskollektiv ist. Auch in Freiberg zelebrierte man den Jahrestag der “friedlichen Revolution” mit einer ganzen Reihe von öffentlichen Gottesdiensten, Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen. Man wollte sich bestätigt wissen als ein nun aufgeklärtes und demokratisches Land. Was jedoch auffiel, war, dass die Freiberg Hobbyhistoriker_innen bei ihrem Feldzug durch die Vergangenheit einen großen Bogen um historische Ereignisse machten, die ihnen wohl zu unerträglichen schienen, als das diese noch einen Gebrauchswert für ein “modernes Land” besäßen.

Das Ganze lässt sich am besten am 07. Oktober 2010 illustrieren. Mit zwei Friedensgebten wollten unter anderem der Verein gegen Extremismus und die TU Bergakademie an diesem Tag den Toten der Bombardierung Freibergs im Zweiten Weltkrieg gedenken. Die Veranstaltung stand unter dem Motto: “Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein”. So schön so gut: die Friedensgebete waren aber weder hilfreich dem Geschichtrevisionimus der Neonazis, die an dem Tag eine Kundgebung an der Jakobikirsche angemeldet hatten, zu begegnen, noch konnten sie den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs inhaltlich gerecht werden. Man konzentrierte sich auf die “eigenen Opfer” und war nicht gewillt die Bombardierung ausreichend in den geschichtlichen Kontext zu stellen, der offensichtlich werden lässt, dass die Bombardierungen deutscher Städte im Krieg nicht einfach nur eine Rückkehr des von Deutschland ausgegangenen Krieges waren, sondern ein Mittel, um den deutsche Vernichtungskrieg und das Morden in den KZ endlich zu beenden. Und damit wären wir beim eigentlich Thema: Warum versammeln sich 200 Freiberg_innen zu einer Gedenkveranstaltungen für die Toten der Bombardierung, während hingegen jährlich am 27. Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, gerade einmal eine Handvoll Menschen den Weg zum Gedenkstein in der Himmelfahrtsgasse findet? Warum wurde bei den Friedensgebeten und in der Berichterstattung über den 07. Oktober nie umfassend die Rolle Freibergs im Nationalsozialismus thematisiert? Die Antwort auf diese Fragen hat sicher mit einem großen Defizit in der richtigen Auseinandersetzung und Aufarbeitung der Vergangenheit zu tun.

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Das Tränenmeer trocken legen – Kritik am Chemnitzer Totenkult

Die Bombardierung deutscher Städte durch die alliierten Flugverbände ist jedes Jahr aufs Neue eine dramatische Begebenheit. Vielerorts werden derartige Jubiläen auf unterschiedliche Art und Weise begangen. Auch Chemnitz ist seit vielen Jahren damit beschäftigt die emotionalisierte Erinnerung an den Angriff auf die Stadt im Gewand verschiedener politischer und kultureller Veranstaltungen zu zelebrieren. Im Fokus stehen hier wie auch andernorts vor allem die eigene Betroffenheit und das „unsagbare Leid“1, welches mit dem Angriff scheinbar über die Bevölkerung der Stadt herein brach. Der daraus erwachsende Anspruch, bezogen auf die Opfer – „würdig“ zu Gedenken – verbindet sich mit dem Wunsch, sich an diesem Tag für den Frieden in der Welt stark zu machen und wird mit allerlei (welt-)anschaulichem Habitus verdeutlicht. Leider glänzen die Akteur/innen dabei nicht unbedingt mit der inhaltlich korrekten Vermittlung historischer Gegebenheiten.

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Ausgabe #66 - Februar/März 2009

Editorial der Ausgabe Februar/März 2009 (#66)

Liebe Leserinnen und Leser,

mit ein klein wenig Verspätung erscheint die Februar/März/Ausgabe des FreibÄrger diesmal mit dem Thema “Ge(h)-Denken auf gut deutsch”. Anlass ist wie bereits in der letzten Ausgabe angekündigt der alljährliche
Naziaufmarsch in Dresden zwecks “Trauermarsch” anlässlich des Jahrestages der Bombardierung Dresdens im Februar 1945. Auch in diesem Jahr haben sich wieder mehrere Bündnisse unterschiedlicher Gruppen und Initiativen zusammengefunden um die Rechten an ihrem Zug durch die Stadt zu hindern. Wir haben das Bündnis “Vorbereitungskreis 13. Februar” interviewt und drucken auch ihren Aufruf zur Demo ab. Denn nicht allein das “Trauern” der Nazis ist problematisch. Vielmehr ist die Gedenkkultur in Deutschland im Allgemeinen und in Dresden im Besonderen sehr problematisch und führt allzu oft in die Umkehr von Tätern zu Opfern.

Da uns das Thema Gedenken in Deutschland als so wichtig und vielschichtig erschien, ist diese Ausgabe in erster Linie ein “Themenheft”, gut geeignet für einen Leseabend auf dem Sofa. Der dritte Teil der
Geschichte des Faschismus ist doch nicht kürzer geworden als die vorhergehenden, aber wieder genauso interessant und lehrreich.

Antifaschistische Grüße

Die Redaktion

Cover der Ausgabe #66 des FreibÄrger

Cover der Ausgabe #66 des FreibÄrger

Inhalt

Thema
Gedenkkultur in Deutschland
“Keine Versöhnung mit Deutschland”
Die Relativierung des NS durch die sächsische Gedenkstättenpolitik
Stolpersteine als Chance einer “neuen” Gedenkkultur
Die Rettung Deutschlands
Aufruf: Naziaufmärsche verhindern!

Theorie
Die Geschichte des Faschismus Teil III

Die Ausgabe als PDF