10. März 2010

Kundgebung in Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am Rathaus
Das “Supergedenkjahr” 2009, in dem 60 Jahre BRD und 20 Jahre Ende der DDR gefeiert wurden, ist zum Glück endlich vorbei. Zum Glück deshalb, weil die stetige Ideologieproduktion dieser nationalen Feierlichkeiten unerträglich war und weil ihr Kern die Integration von Individuen in ein Zwangskollektiv ist. Auch in Freiberg zelebrierte man den Jahrestag der “friedlichen Revolution” mit einer ganzen Reihe von öffentlichen Gottesdiensten, Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen. Man wollte sich bestätigt wissen als ein nun aufgeklärtes und demokratisches Land. Was jedoch auffiel, war, dass die Freiberg Hobbyhistoriker_innen bei ihrem Feldzug durch die Vergangenheit einen großen Bogen um historische Ereignisse machten, die ihnen wohl zu unerträglichen schienen, als das diese noch einen Gebrauchswert für ein “modernes Land” besäßen.
Das Ganze lässt sich am besten am 07. Oktober 2010 illustrieren. Mit zwei Friedensgebten wollten unter anderem der Verein gegen Extremismus und die TU Bergakademie an diesem Tag den Toten der Bombardierung Freibergs im Zweiten Weltkrieg gedenken. Die Veranstaltung stand unter dem Motto: “Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein”. So schön so gut: die Friedensgebete waren aber weder hilfreich dem Geschichtrevisionimus der Neonazis, die an dem Tag eine Kundgebung an der Jakobikirsche angemeldet hatten, zu begegnen, noch konnten sie den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs inhaltlich gerecht werden. Man konzentrierte sich auf die “eigenen Opfer” und war nicht gewillt die Bombardierung ausreichend in den geschichtlichen Kontext zu stellen, der offensichtlich werden lässt, dass die Bombardierungen deutscher Städte im Krieg nicht einfach nur eine Rückkehr des von Deutschland ausgegangenen Krieges waren, sondern ein Mittel, um den deutsche Vernichtungskrieg und das Morden in den KZ endlich zu beenden. Und damit wären wir beim eigentlich Thema: Warum versammeln sich 200 Freiberg_innen zu einer Gedenkveranstaltungen für die Toten der Bombardierung, während hingegen jährlich am 27. Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, gerade einmal eine Handvoll Menschen den Weg zum Gedenkstein in der Himmelfahrtsgasse findet? Warum wurde bei den Friedensgebeten und in der Berichterstattung über den 07. Oktober nie umfassend die Rolle Freibergs im Nationalsozialismus thematisiert? Die Antwort auf diese Fragen hat sicher mit einem großen Defizit in der richtigen Auseinandersetzung und Aufarbeitung der Vergangenheit zu tun.
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Autor: Juliane Iffert
Erschienen in Ausgabe #72, Thema
Stichwörter: Antisemitismus, Freiberg im NS, Gedenken, Juden in Freiberg, Nationalsozialismus, Zwangsarbeit
03. Januar 2010
Editorial der Ausgabe Februar/März 2009 (#66)
Liebe Leserinnen und Leser,
mit ein klein wenig Verspätung erscheint die Februar/März/Ausgabe des FreibÄrger diesmal mit dem Thema “Ge(h)-Denken auf gut deutsch”. Anlass ist wie bereits in der letzten Ausgabe angekündigt der alljährliche
Naziaufmarsch in Dresden zwecks “Trauermarsch” anlässlich des Jahrestages der Bombardierung Dresdens im Februar 1945. Auch in diesem Jahr haben sich wieder mehrere Bündnisse unterschiedlicher Gruppen und Initiativen zusammengefunden um die Rechten an ihrem Zug durch die Stadt zu hindern. Wir haben das Bündnis “Vorbereitungskreis 13. Februar” interviewt und drucken auch ihren Aufruf zur Demo ab. Denn nicht allein das “Trauern” der Nazis ist problematisch. Vielmehr ist die Gedenkkultur in Deutschland im Allgemeinen und in Dresden im Besonderen sehr problematisch und führt allzu oft in die Umkehr von Tätern zu Opfern.
Da uns das Thema Gedenken in Deutschland als so wichtig und vielschichtig erschien, ist diese Ausgabe in erster Linie ein “Themenheft”, gut geeignet für einen Leseabend auf dem Sofa. Der dritte Teil der
Geschichte des Faschismus ist doch nicht kürzer geworden als die vorhergehenden, aber wieder genauso interessant und lehrreich.
Antifaschistische Grüße
Die Redaktion

Cover der Ausgabe #66 des FreibÄrger
Inhalt
Thema
Gedenkkultur in Deutschland
“Keine Versöhnung mit Deutschland”
Die Relativierung des NS durch die sächsische Gedenkstättenpolitik
Stolpersteine als Chance einer “neuen” Gedenkkultur
Die Rettung Deutschlands
Aufruf: Naziaufmärsche verhindern!
Theorie
Die Geschichte des Faschismus Teil III
Die Ausgabe als PDF
Autor: Archiv
Erschienen in Archiv (PDF), Ausgabe #66
Stichwörter: 13. Februar, Dresden, Gedenken, Nationalsozialismus, Stolpersteine
02. Januar 2010
Für den 13. Februar mobilisieren Neonazis für einen “Trauermarsch” durch Dresden anlässlich der Bombardierung der Stadt vor 65 Jahren. Zwangsläufig verdrehen sie dabei die historischen Tatsachen. Während die sächsische Landesregierung mit einer Änderung des Versammlungsgesetzes versucht lautstarke Gegenproteste zu unterbinden, plant CDU-Oberbürgermeisterin Helma Orosz eine Menschenkette um die barocke Altstadt, um das Gedenken an vermeintliche deutsche Opfer nicht von den Nazis “missbrauchen” zu lassen. Das bundesweite Antifa-Bündnis “No pasarán” hingegen ist entschlossen, den Naziaufmarsch mit dezentralen Aktionen zu blockieren und hofft dabei auf Unterstützung durch die Zivilgesellschaft. Der Vorbereitungskreis “Keine Versöhnung mit Deutschland” meint dagegen, dass dies der falsche Ansatz ist. Dieser Aufruf erklärt, wieso das Gedenken am 13. Februar geschichtsrevisionistisch ist und weshalb eine radikale Linke an diesem Tag mit bürgerlichem Gedenken nichts zu schaffen haben sollte.
Aufruf gegen Gedenken und Naziaufmarsch am 13. Februar 2010 in Dresden
Das Dresden-Gedenken scheint wichtig, so wichtig, dass die neue sächsische Staatsregierung eigens für den bevorstehenden 65. Jahrestag das Versammlungsrecht noch schnell erheblich einschränken will. Schließlich ruinieren “Extremisten” schon seit Jahren die Gedenkstimmung rund um den 13. Februar und gefährden Sicherheit, Ruhe und Ordnung. Unterdessen versucht eine Handvoll Dresdner Kultur- und Kirchenprominenz ein weiteres Denkmal zur Erinnerung an die Bombardierung und das Wiedererstehen der Stadt zu erstreiten. Zwar wurde erst 2009 eine neue Erinnerungsstelle in der Altstadt eingeweiht, aber Mahnmale für Dresden kann es in Dresden nicht genug geben. Mit kaum verhohlener revanchistischer Rhetorik wird das Denkmal in der Sächsischen Zeitung beworben; es zeigt einen “gestürzte[n] Mensch[en], der sich aufbäumt, ein Gefallener, der aus eigener Kraft aufersteht. So wie die Dresdner, so wie ihre Stadt.” Die Oberbürgermeisterin bemüht sich derweil, eine dem Jahrestag angemessene Gedenkatmosphäre zu schaffen - laute Musik oder Demonstrationen sind dabei sehr hinderlich, denn das erwünschte Gedenken soll als unpolitischer und damit unhinterfragbarer Akt wahrgenommen werden. Mit Hilfe einer Menschenkette um die historische Altstadt soll ein “Zeichen gegen Extremismus” gesetzt und gleichzeitig der Zerstörung der Stadt gedacht werden. Business as usual in Dresden.
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Autor: Vorbereitungskreis Keine Versöhnung mit Deutschland
Erschienen in Antifa, Ausgabe #71
Stichwörter: 13. Februar, Aufruf, Dresden, Extremismustheorie, Gedenken, Geschichtsrevionismus, Naziaufmarsch, Nazis
23. Dezember 2009

Seite 1 von Ausgabe #21
Themen
Übergriffe in Freiberg
Tatort Bahnhof
Weniger Kreativität im Pi-Haus
Der OB gedenkt
Meldungen
Leserbrief
Kolumnen
Sebnitz-Rätsel
Termine & Lyrik
Die Ausgabe als PDF
Autor: Archiv
Erschienen in Archiv (PDF)
Stichwörter: Übergriffe, Extremismustheorie, Gedenken, Heinze, Leser_innenbrief, Nazis, Pi-Haus
26. Juni 2009
Keine Versöhnung mit Deutschland. Deutsche Täter_innen sind keine Opfer.
Hätte es die Bombardierung Dresdens nicht gegeben die Deutschen hätten sie erfunden. Der Bezug auf die Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 ist heute, über sechzig Jahre danach, aus dem deutschen Selbstbewusstsein nicht mehr wegzudenken. Das in der sächsischen Landeshauptstadt alljährlich zelebrierte Gedenken an die Toten der Bombardierung ist dabei weit mehr als die Erinnerung an ein historisches Ereignis. In der Woche um den 13. Februar herum trifft sich die kollektive Trauer deutscher Bürger_innen um sogenannte “deutsche Opfer” mit dem zur Zeit größten Nazi-Aufmarsch Europas. Beide vereint die Suche nach kollektiver Identität, die nach 1945 in Deutschland jedoch nicht mehr umstandslos zu haben ist. Die einzige vernünftige Konsequenz aus der deutschen Geschichte bleibt der bedingungs- und kompromisslose Bruch mit ihr. Wer ihn nicht vollziehen will, kommt um eine umfassende Revision und Verfälschung dieser Geschichte nicht herum ganz gleich ob als subtile Akzentverschiebung oder als raubeinige Lüge. Nicht nur in Dresden mündet daher die Rekonstruktion deutscher Identität in die Verdrängung der geschichtlichen Wirklichkeit durch einen Mythos. Die untereinander konkurrierenden Strömungen des Dresdner Gedenkens schreiben die deutsche Ideologie fort und stellen sich damit in die Tradition der deutschen Täter_innen. Der notwendige Bruch mit der deutschen Vergangenheit dagegen impliziert die unnachgiebige Kritik des Dresdner Trauerspektakels in allen seinen Gestalten. Dies kann nur bedeuten, die geschichtsrevisionistischen Manifestationen der deutschen Ideologie an den beiden Tagen des 13. und 14. Februars 2009 mit der bitter nötigen Kritik zu konfrontieren. Eine Versöhnung mit Deutschland ist unmöglich.
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Autor: Vorbereitungskreis 13. Februar
Erschienen in Ausgabe #66, Thema
Stichwörter: Antifa-Demo, Aufruf, Gedenken
26. Juni 2009
Ein wesentliches Beispiel für die Frage des gesellschaftlichen Umgangs in Deutschland mit der Erinnerung an Verfolgung und Vernichtung unter dem Nationalsozialismus und insbesondere des Verhältnisses zum DDR-Unrecht stellt die Auseinandersetzung um die Konzeption der Gedenkstättenpolitik dar.
Grundsätzlich liegt die Zuständigkeit für die Gedenkstätten bei den Ländern. Den Bund trifft allerdings die Pflicht zur (Mit-)Finanzierung der Gedenkstätten von “herausragender Bedeutung”, und er hat gleichzeitig das Recht die inhaltliche Ausrichtung insoweit mitzubestimmen.
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Autor: Anton Kir
Erschienen in Ausgabe #66, Thema
Stichwörter: Extremismus, Gedenken, Sachsen
26. Juni 2009
Im Februar jährt sich zum 64. mal die Bombardierung Dresdens. Neonazis bereiten sich auf einen ihrer größten Aufmärsche in Europa vor und auch die Dresdner Bürger_innen wollen wieder den vermeintliche deutschen Opfern gedenken.
Ein Interview mit dem antifaschistischen “Vorbereitungskreis 13. Februar”
T. Liebscher: Stellt uns doch den Vorbereitungskreis 13. Februar kurz vor und erläutert uns was eure Themenschwerpunkte sind.
VK: Wir wollen als Vorbereitungskreis inhaltlich an die Antifa-Aktionen der vergangenen Jahre anknüpfen. Wir setzen einen Kontrapunkt zum parteiübergreifenden Gedenken am 13. und 14. Februar, das seinen Ausgang in der Konstitution der Dresdner Bombentoten als “deutsche Opfer” findet. Dieser Mythos von den “deutschen Opfern” ist allerdings nur via Geschichtsrevision und -umdeutung zu haben. Das kritisieren wir, damit zusammenhängend aber auch die aus dem Gedenken abgeleitete neue deutsche Nationalidentität. Wir versuchen also weder die bürgerlichen Gedenkvarianten noch die Nazivariante in unserer Kritik auszusparen, entsprechend thematisieren wir beides - selbstverständlich mit den jeweils nötigen Mitteln.
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Autor: Tarek Liebscher
Erschienen in Ausgabe #66, Thema
Stichwörter: 13. Februar, Gedenken, Nazis
26. Juni 2009
“Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.” Gunter Demnig
Stolpersteine sind kleine Gedenktafeln im Straßenpflaster vor Wohnhäusern. Sie erinnern somit an den letzten Wohn- oder Wirkungsort von Opfern der nationalsozialistischen Terrorherrschaft, vor deren Deportation, Vertreibung und Verfolgung. Bei den Stolpersteinen handelt es sich um kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, die niveaugleich in das Pflaster eingelassen werden. Auf der Oberseite der Steine befindet sich stets eine individuell beschriftete Messingplatte. Die Beschriftung beginnt in der Regel mit den Worten “hier wohnte”, bevor weitere persönliche Angaben wie Name, Geburtsjahr, Jahr der Deportation folgen. Für 95 Euro kann eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines solchen Steines übernommen werden.
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Autor: Klara Liechtenstein
Erschienen in Ausgabe #66, Thema
Stichwörter: Gedenken, Stolpersteine
26. Juni 2009
Stauffenberg und der militärische Widerstand in der deutschen Gedenkkultur
Kaum ein Ereignis spielt in der Erinnerung an den deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus eine so bedeutende Rolle wie das Bombenattentat Claus Schenk Graf von Stauffenbergs und seiner Mitverschwörer, der sogenannten “Männer des 20. Juli”. Ihr Mut und ihre Aufopferung für das vermeintlich höhere Ziel gilt seitdem als Sinnbild eines anderen, demokratischen Deutschland, das sich gegen die Barbarei auflehnt und in den 12 Jahren des Nationalsozialismus weiter existierte. So ist Stauffenberg heute in der allgemeinen Wahrnehmung ohne Frage ein nationaler Held. In den nächsten Wochen wird der Film “Valkyrie”, mit Tom Cruise in der Hauptrolle, weiter zur Festigung dieses Bildes beitragen. Zeit genug also, mit dem, trotz der vielen Aufklärungsarbeit, immer noch vorherrschenden Mythos des militärischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus, aufzuräumen.
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Autor: Falk Schindler
Erschienen in Ausgabe #66, Thema
Stichwörter: Gedenken, Stauffenberg
26. Juni 2009
Das Thema dieser Ausgabe des FreibÄrger ist die Gedenkkultur in Deutschland. Anlass ist der alljährliche Gedenkmarathon in Dresden um den 13. Februar. Dieser Text soll eine - nicht ganz so - kurze Übersicht und Einführung in die Problematik des Geschichtsrevionismus rund um dieses Datum sowie die damit verbundene Bezugnahme auf die Totalitarismustheorie sein. Auf den nächsten Seiten folgt die Auseinandersetzung mit der Gedenkstättenpolitik in Sachsen, der Aktion “Stolpersteine” und den antifaschistischen Aktionen am 13. und 14. Februar in Dresden. Außerdem wird aus aktuellem Anlass auch die Heroisierung Graf Schencks von Stauffenberg einbezogen.
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Autor: Rolf Schmidt
Erschienen in Ausgabe #66, Thema
Stichwörter: Extremismus, Gedenken, Kritik