19. Mai 2010
1905 wird Saul Kussiel Padover als Sohn jüdischer Eltern in Wien geboren, wandert mit seiner Familie aber 1920 in die USA aus. Aufgrund seiner besonderen Kenntnisse über Deutschland wird er 1944 als Angehöriger der Division für psychologische Kriegsführung der US Army nach Deutschland geschickt. Er soll herausfinden, was in den Köpfen der Besiegten vor sich geht. Den alliierten Fronttruppen folgend, ist seine Einheit die erste, die sich ein genaueres Bild der Deutschen und ihrer Einstellungen in den frisch eroberten Städten macht. Padover führt vor allem Interviews mit „ganz normalen Menschen“, mit Arbeitern, Hausfrauen, Lehrer_innen, Kindern und entlarvt dabei, wie tief diese die nationalsozialistische Ideologie verinnerlicht haben. Immer wieder kommt er dabei auch in Konflikt mit amerikanischen Befehlshabern, die ehemalige Nazigrößen in Verwaltungsposten einsetzen, oder seine Arbeit behindern. Padovers Expertisen haben die Deutschlandpolitik der amerikanischen Militärregierung unmittelbar beeinflusst und auch später hat Eisenhower die Ratschläge zu Rate gezogen und beherzigt.
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Autor: Falk Schindler
Erschienen in Ausgabe #73, Kultür
Stichwörter: Buchtipp, Nationalsozialismus
03. Januar 2010
Editorial der Ausgabe Juli 2008 (#63)
Liebe Leserinnen und Leser,
dies ist nun die letzte Ausgabe des FreibÄrgers vor der Sommerpause. Wir werden in nächster Zeit verstärkt an unserer Homepage basteln und Inhalte unserer Zeitung diskutieren. Sicher ist, dass wir einige Themen mehr oder regelmäßig aufgreifen werden, dazu gehören Rassismus und Diskriminierung, Sexismus und Homophobie nicht nur bei den “Rechten” sondern in der gesamten Gesellschaft. Aber auch die Themen Stadtentwicklung, Hochschulpolitik, Datenschutz und Bürgerrechte haben wir auf dem Schirm. In jeder Ausgabe wird es ein Schwerpunktthema geben, diesmal ist es Rassismus gegen Schwarze. Im Oktober werden wir uns wahrscheinlich mit Homophobie, Heteronormativität und Sexismus auseinandersetzen.
Diesmal gibt es keinen gedruckten Terminkalender, dafür werden wir ab Mitte Julie auf der unserer Homepage einen laufend aktualisierten Kalender bereitstellen. Wir freuen uns auch immer über Terminhinweise, Anregungen und Kritik, ob per E-Mail oder Brief.
Die Redaktion

Cover der Ausgabe #63 des FreibÄrger
Inhalt
Thema
Der erste deutsche Völkermord
You are the suspect
Interview with Demi Nutsugah
Deutschland Schwarz Weiß
Politics
The Eco-City Dongtan in China
Demokratie adé!
Lokales
Der Mehringplatz in Freiberg
Antifa
Gekommen um zu bleiben
Brutaler Polizeieinsatz in Treuen
Schöner Leben ohne Naziläden
Kultür
Buchtipps
Die Ausgabe als PDF
Autor: Archiv
Erschienen in Archiv (PDF), Ausgabe #63
Stichwörter: Asylrecht, Buchtipp, Hochschulgesetz, Naziläden, Polizeigewalt, Rassismus, Stadtgeschichte, Uni
15. Dezember 2009
Nachdem bereits in Folge des Münchener Abkommens vom 30. September 1938 die tschechischen Grenzgebiete als „Gau Sudetenland“ von Deutschland annektiert worden waren, wurde die Tschechoslowakei am 15. März 1938 durch die Besetzung der verbliebenen tschechischen Landesteile durch deutsche Truppen sowie die Unabhängigkeitserklärung einer faschistischen Regierung in der Slowakei aufgelöst. Daran schloss sich ein sechsjähriges deutsches Terrorregime an, dem 78.000 der 120.000 in Böhmen und Mähren lebenden Juden zum Opfer fielen. Auch die tschechische Bevölkerung sollte nach den Vorstellungen des Chefraumplaners der SS, Konrad Meyer, nach Ende des Krieges entweder eingedeutscht oder „umgesiedelt“ werden. Vorerst wurden diese Menschen aber noch für den Weiterbetrieb der kriegswichtigen und hochentwickelten tschechischen Industrie benötigt. Bereits während des Krieges war mit der Arisierung des Landes begonnen worden, in dem unter anderem 16.000 Bauernhöfe enteignet und an „Volksdeutsche“ weitergegeben wurden.
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Autor: Anton Kir
Erschienen in Ausgabe #71, Kultür
Stichwörter: Buchtipp, Geschichte, Rezension
24. Oktober 2009
Fritz Bauer und die juristische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus
Die strafrechtliche Aufarbeitung des Nationalsozialismus blieb in der Bundesrepublik Deutschland rudimentär. Dies hatte hauptsächlich mit der politischen und ideologischen Verwurzelung der deutschen Nachkriegsgesell- schaft im Nationalsozialismus zu tun. Im Bereich der Justiz war diese Verwurzelung aufgrund der personellen Kontinuitäten beson- ders folgenreich. So waren Mitte der 50er Jahre knapp 80% der Richter des Bundesgerichtshofs (BGH), des obersten deutschen Straf- gerichts, bereits zu NS-Zeiten Richter gewesen und in den 60er Jahren lag dieser Anteil noch bei etwa 70%. Der BGH war mit seiner restriktiven Rechtsprechung etwa zur Abgrenzung von Täterschaft und bloßer (geringer bestrafter) Teilnahme oder zur Rechtsbeugung mitverantwortlich dafür, dass die strafrechtliche Verfolgung der deutschen Täter begrenzt blieb.
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Autor: Anton Kir
Erschienen in Ausgabe #70, Kultür
Stichwörter: Buchtipp
27. Juni 2009
Die Journalisten Christoph Ruf und Olaf Sundermeyer haben zwei Jahre lang im Dunstkreis der NPD recherchiert. Ohne Berührungsängste aber auch mit professioneller Distanz haben sie die NPD vor allem dadurch porträtiert, indem sie ihre Funktionäre und Unterstützer selbst zu Wort kommen lässt.
Das Buch teilt sich 16 Kapitel ein. Neben der geschichtlichen Entwicklung und der chronisch schlechten finanziellen Lage beleuchten die Autoren vor allem die Ideologie der Partei. Ruf und Sundermeyer schreiben im Vorwort, dass sie damit gerechnet haben es “rechtsextreme, verfassungsfeindliche Bewegung” zu tun haben. Nicht gerechnet hatten sie damit “auf eine, aus unserer Sicht, national-sozialistische Partei” zu treffen. Überraschend ist das eigentlich nicht, predigt die NPD doch schon lange dass Nationalismus und die “soziale Frage” zusammengehört. Interessant wird das Buch vor allem wenn es um die Parteifunktionäre vor Ort geht und ihre Strategien mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen und Wahlkampf zu machen. Da fährt der Kandidat für die Landratswahl in Sachsen schonmal selbst über die Dörfer und verteilt Wahlzettel. Es wird auch immer wieder deutlich, dass die NPD nach wie vor ein Personalproblem hat und jeder Funktionär gleich mehrere Aufgaben versieht. Ohne die sogenannten “Freien Kräfte würde außerhalb der größeren Städte für die Partei sowieso nichts möglich sein. Eine wichtige Rolle spielt auch der Umgang der lokalen Bevölkerung und Medien mit der NPD bzw. Neonazis allgemein. Das Buch bietet dem antifaschistisch orientierten Linken nicht wirklich etwas Neues. Jedoch ist es gut geschrieben und verzichtet auf jegliche Verharmlosung aber auch jeglichen Alarmismus. Auf alle lesenswert!
Christoph Ruf, Olaf Sundermeyer: “In der NPD - Reisen in die national befreite Zone” 229 Seiten, Verlag C.H. Beck, 12,95 Euro
Autor: Rolf Schmidt
Erschienen in Ausgabe #67, Kultür
Stichwörter: Buchtipp, Nazis, NPD
27. Juni 2009
Der bekannte und streitbare Historiker Wolfgang Wippermann hat ein neues Buch vorgelegt, von ihm selbst, zu Recht, als Streitschrift bezeichnet. Auf der Rückseite wird der letzte Absatz des schmalen Bandes zitiert, der in wenigen Zeilen die Absicht des Buches darstellt: “Die vorliegende Streitschrift möchte zur Neuorientierung beitragen. Vor allem aber soll sie zu einem gerechteren Umgang mit der DDR anregen. Die DDR war unzweifelhaft eine Diktatur und mit Sicherheit kein Rechtsstaat, doch ebenso wenig war sie eine totalitäre und mit dem nationalsozialistischen Unrechtsstaat zu vergleichende ‘zweite Diktatur’. Dies kommt einer Dämonisierung der DDR gleich, die wiederum mit einer Relativierung des Dritten Reiches verbunden ist.” Insbesondere die letzen beiden Sätze sind dazu angetan eine Debatte über die historische Betrachtung der DDR zu befeuern.
Wippermann teilt seine Argumentation in vier Abschnitte. Im ersten Teil “Theorien und Begriffe” geht er auf die Totalitarismus- und Extremismustheorie ein. Des weiteren zeigt der Wippermann wie die Begriffe “Wehrhafte Demokratie” und “Ostzone” entstanden und politisch zu verstehen sind. Im zweiten Kapitel werden einige Kontroversen näher beleuchtet, z. B. die Frage ob die sowjetischen Lager nach dem 2. Weltkrieg als “sowjetische Konzentrationslager” auf deutschem Boden bezeichnet werden können. Auch dem unhaltbarem Vergleich zwischen Gestapo und Stasi (“Rote Gestapo”) nimmt sich der Autor an. Daran anschließend beleuchtet Wippermann einzelne Personen und Institutionen und deren Motivation hinsichtlich einer dämonisierenden Darstellung der DDR.
Trotz des mitunter reichlich polemischen Stils eine lesenwertes und lesbares Buch, da zumindest viele Anknüpfungspunkte für Diskussionen bietet.
Wolfgang Wippermann: “Dämonisierung durch Vergleich: DDR und Drittes Reich”, 160 Seiten, Rotbuch Verlag, 9,90 Euro
Autor: Rolf Schmidt
Erschienen in Ausgabe #67, Kultür
Stichwörter: Buchtipp, DDR, Extremismustheorie
25. Juni 2009
Eine Buchkritik
Infolge des wachsenden Arbeitskräftemangels wurden seit dem Frühjahr 1942 zunehmend jüdische KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter insbesondere in der deutschen Rüstungsindustrie eingesetzt. Die Häftlinge wurden dazu in die Orte vor allem im Reichsgebiet gebracht, in denen sich Industriebetriebe befanden und dort in so genannten Außenlagern untergebracht. Die Außenlager waren den Haupt-Konzentrationslagern zugeordnet, verfügten allerdings über eigene Lagerstrukturen. Die rücksichtlosen Arbeitseinsätze der Häftlinge stellten ihrer Intention nach einen Teil des systematischen Vernichtungsprozesses der Juden dar. Auch dem KZ Flossenbürg in Franken waren über 100 solche Außenlager zugeordnet.
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Autor: Anton Kir
Erschienen in Ausgabe #65, Kultür
Stichwörter: Buchtipp, KZ Freiberg
22. Juni 2009
Die Nachkriegsgesellschaft im langen Schatten des Nationalsozialismus
Eine Buchkritik
Nächstes Jahr steht der 60. Geburtstag der Bundesrepublik an. Dies wird trotz der momentanen Fokussierung der Öffentlichkeit auf die Deutschen als Opfer der Geschichte sicher Anlass für eine verstärkte Beschäftigung mit den Kontinuitäten zwischen Drittem Reich und Bundesrepublik sein.
Bereits in diesem Jahr ist unter dem Titel “Erfolgsgeschichte Bundesrepublik? Die Nachkriegsgesellschaft im langen Schatten des Nationalsozialismus” zu diesem Thema ein von Stephan Alexander Glienke, Volker Paulmann und Joachim Perels herausgegebener Sammelband erschienen.
In diesem werden in 15 Aufsätzen von jeweils unerschiedlichen AutorInnen verschiedenste Aspekte einer solchen Kontinuität vor allem in den Anfangsjahren der Bundesrepublik in einer großen Breite an gesellschaftlichen Bereichen von Universitäten und Literatur über den Naturschutz bis zur Justiz untersucht.
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Autor: Anton Kir
Erschienen in Ausgabe #64, Kultür
Stichwörter: Buchtipp, Bundesrepublik, Geschichte
05. Mai 2009
Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft
Andrea Röpke und Andreas Speit haben zusammen mit vier anderen Autoren einen aktuellen Überblick über das Auftreten und die politischen Strategien der NPD vorgelegt.
In acht Kapiteln zeigen sie sehr detailliert den Wandel der Partei auf, die “auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft” ist. Durch geschickte Themenwahl, Konzentration auf die “soziale Frage” und Integration in das alltägliche Leben schafft es die NPD immer mehr, als Partner und gleichberechtigte Partei wahrgenommen zu werden. Vor allem auf kommunaler Ebene gelingt ihr das sehr gut, denn die Parteimitglieder sind weder nur “alte Herren” oder Neonazisschläger, sondern anerkannte Bürger einer Gemeinschaft, vom Fahrlehrer bis zum Kleinunternehmer. Das haben ja auch die letzten Kommunalwahlen in Sachsen wieder gezeigt. Aber auch in den Landesparlamenten von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Partei professionalisiert und weiß das System, das sie eigentlich ablehnt, geschickt für ihre Zwecke zu nutzen. Damit einher geht auch die “intellektuelle Aufrüstung” durch ideologische und argumentative Mittel vor allem in der Jugendorganisation der Partei.
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Autor: Rolf Schmidt
Erschienen in Ausgabe #63, Kultür
Stichwörter: Buchtipp, Rezension
05. Mai 2009
Seit mehr als zwanzig Jahren beschäftigen sich Schwarze Menschen mit Schwarzer deutscher Geschichte, historischem und gegenwärtigem Rassismus und Antidiskriminierungsmaßnahmen. Es sind inzwischen zahlreiche Bücher Schwarzer AutorInnen erschienen, die diese Themen in unterschiedlicher Weise behandeln und vor allem Rassismus in seinen verschiedenen Facetten dekonstruieren mit dem Ziel, die rassistischen Verhältnisse, unter denen Schwarze Menschen leben müssen, abzubauen.
“Deutschland Schwarz Weiß” ist eine gelungene Spiegelung rassistischer Lebensrealitäten, die großen Teilen der weißen Mehrheitsgesellschaft auch heute noch nicht oder nur unzureichend bekannt sind und ist daher als weiterer Baustein zu einer rassismusfreien Gesellschaft zu sehen.
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Autor: Tahir Della
Erschienen in Ausgabe #63, Thema
Stichwörter: Buchtipp, externer Autor, Rezension