Artikel mit dem Tag „1. Mai“

1. Mai in Freiberg

Das ließen einige sich nicht zwei Mal sagen.

Das ließen einige sich nicht zwei Mal sagen.

Der 1. Mai ist der traditionelle Kampftag der Arbeit und wie jedes Jahr veranstalteten die Gewerkschaften auf dem Obermarkt eine Kundgebung. Unterstützt wurden sie dabei von der SPD und der Linkspartei und den beiden MdL Henning Homann (SPD) und Jana Pinka (Linke). Auch der FreibÄrger beteiligte sich mit einem Stand, um unter dem Motto „Arbeit ist kein Grund zum Feiern“ der Glorifizierung der Arbeit durch die Gewerkschaften entgegenzutreten. Jene traten mit der bekannten Forderung nach einem Mindestlohn von mittlerweile 8,50 Euro auf, die auch Henning Homann auf dem Podium äußerte – ansonsten hielt man sich mit politischen Forderungen eher zurück und begnügte sich mit dem angebotenem Programm: Einem DJ, einer Kindertanzgruppe und der Freiberger Gruppe „Die Notendealer“. Das Konzept war also eher auf ein kleines Volksfest ausgelegt, zu dem ein Kindertrampolin und ein Bratwurststand ihr Übriges taten. So vermittelten die Gewerkschaften zwar keinen kämpferischen Eindruck, aber boten – wie auf einer Messe – die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Laut Freie Presse besuchten über 600 Menschen die Kundgebung, die damit die größte im Kreis Mittelsachsen gewesen ist.

Nazidemonstrationen in Sachsen gab es dieses Jahr in Zwickau und Hoyerswerda. In Zwickau demonstrierten etwa 400 Anhänger_innen der NPD, denen sich etwa 1500 Gegendemonstrant_innen entgegenstellten. In Hoyerswerda sammelten sich etwa 400 Freie Kräfte und Autonome Nationalisten, also das Spekturm, das letztes Jahr in Freiberg aufmarschierte. Auch Freiberger Nazis beteiligten sich an der Demonstration in Hoyerswerda.

Arbeit ist kein Grund zum Feiern!

Die sozialdemokratischen Kundgebungen von DGB bis Linkspartei am 1. Mai werden wir mit einem eigenen Stand kritisch begleiten.

„Die „Arbeit“ ist ihrem Wesen nach die unfreie, unmenschliche, ungesellschaftliche Tätigkeit“- Karl Marx

Jedes Jahr am ersten Mai, am sog. „Tag der Arbeit“, finden hunderte Kundgebungen, Demonstrationen und andere Volksfeste statt, auf denen die Gewerkschaften und die sozialdemokratischen Parteien „SPD“ und „DIE LINKE“ das hohe Lied der Arbeit anstimmen. Die einen fordern eine bedarfsorientierte Grundsicherung, die andere ein bedingungsloses Grundeinkommen. Gemeinsam haben sie alle, dass sie den Kapitalismus humaner und ökologischer gestalten und die Arbeit gerechter entlohnen wollen.
Sicher sind das Ziele, die es einigen Menschen erlauben werden, ein Stück weit besser zu leben, aber die mörderische Warenlogik, die dem Kapitalismus eigen ist und die immer noch Millionen Menschen jährlich den Hungertod beschert, obwohl es bei dem heutigen Produktionsstand überhaupt kein Problem wäre, ausreichend Nahrung für alle bereit zu stellen, wird nicht in Frage gestellt. Sie alle huldigen mit ihren öffentlichen Ritualen wieder und wieder dem „Arbeitsgötzen“ und akzeptieren das totalitäre Prinzip der Arbeit. Mehr noch, Arbeit wird zum Kerninhalt des menschlichen Daseins stilisiert. Damit werden die Verwertungslogik und der Selbstzweckcharakter des Kapitalismus festgeschrieben und die drohende Zerstörung der Lebens- und Naturgrundlagen mehr oder minder stillschweigend akzeptiert. Zudem sehen sie nicht, dass der gesellschaftliche Reichtum in die Warenform gepresst ist und so dem Großteil der Menschheit einfach vorenthalten wird.

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Ausgabe #18 - Juli 2000

Seite 1 von Ausgabe #18

Seite 1 von Ausgabe #18

Themen
Jugendpolitik gegen rechts
Polizeischläger?
Sowjetischer Friedhof
Revolutionärer 1. Mai
Tschetschenien
Nazi-Guppys

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Wie stehen wir denn jetzt da..?

Ein Kommentar

Der Naziaufmarsch am 1. Mai war eine Schande für Freiberg, darin sind sich die Bürger_innen einig. “Die Bilder, die seit dem 1. Mai von Freiberg um die Welt gehen, sind in einer wirtschaftlich so schwierigen Zeit geradezu verheerend, für ausländische Investoren abschreckend und auch für den Hochschulstandort wenig hilfreich.”, steht in einem Leserbrief an die Freie Presse. Freiberg dürfe nie wieder ein solches Bild nach außen vermitteln, forderten Politiker_innen, Gewerkschafter_innen und Studentenwerksvertretende in einem offenen Brief. Das weltoffene Freiberg – an den Pranger gestellt durch den “braunen Bodensatz der Gesellschaft”. “Dabei wird nicht nur in Kauf genommen, dass Freibergs Ruf ruiniert wird, sondern auch mögliche Randale materielle Schäden anrichten.” Dass es den Nazis (und nicht nur ihnen) um menschenverachtende Ideologien geht, darauf weißt kaum eine_r hin. Man stört sich nicht an den Rufen nach Volksgemeinschaft, oder der Hetze gegen Menschen, sondern an materiellen und ideellen Schäden an der Stadt.

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Die dümmsten Reaktionen auf den 1. Mai

Überflüssige Reaktionen auf den Naziaufmarsch am 1. Mai in Freiberg gab es viele. Manche trauten sich nicht, das Wort Nazis in den Mund zu nehmen und subsumierten sie unter dem Konstrukt „Extremisten“, andere jammerten über den Imageschaden der Stadt. Und alle wussten, was in Zukunft zu tun sein wird. Nur die eigene Verantwortung, die hinterfragte keine_r. FreibÄrger präsentiert die dümmsten Reaktionen auf den 1. Mai.

“Der braune Sumpf hat in Freiberg keine Chance.”
Bernd-Erwin Schramm

“Freiberg sei eine Universitätsstadt mit Studenten und Wissenschaftlern aus aller Welt, heißt es darin. Die Stadt sei aufstrebender Wirtschaftsstandort mit internationalen Unternehmen. Weltoffenheit und Toleranz prägten das Zusammenleben der Freiberger.”
Freie Presse vom 05. Mai über einen offenen Brief an den Landrat

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Offener Brief zu den Ereignissen am 1. Mai in Freiberg

Anmerkung: Dieser Brief ist eine Reaktion auf die Nazidemo in Freiberg am 1. Mai.

Sehr geehrter OB Schramm, sehr geehrter Landrat Uhlig,

am 30. April mussten wir entsetzt feststellen, dass Nazis, s.g. Freie Kräfte und Autonome Nationalisten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Berlin zu einer Eildemonstration unter dem Motto “Zukunft statt Kapitalismus - Freiheit statt BRD” am 01. Mai nach Freiberg mobilisieren.

Bei den Autonomen Nationalisten handelt es sich um parteiunabhängige Nazis, die sich im revolutionären Kampf gegen die BRD, den Kapitalismus, den sie als Instrument einer jüdischen Weltverschwörung zur Zerstörung der Völker begreifen, gegen die USA und Israel sehen. Ihre Ideologie propagiert einen völkischen Antikapitalismus, den sie selbst als Nationalen Sozialismus bezeichnen – in Analogie an den Nationalsozialismus, der sich als Bezeichnung diskreditiert hat. Die Autonomen Nationalisten sehen sich in der Tradition der SA und sind dementsprechend gewaltbereit. Letztes Jahr griffen zum 01. Mai in Hamburg Autonome Nationalisten Journalist_innen und Andersdenkende an und überraschten damit die überforderten Polizeikräfte.

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1. Mai - 450 Nazis marschieren in Freiberg

Nazidemo in der Bahnhofsvorstadt.

Nazidemo in der Bahnhofsvorstadt.

In Freiberg, der Kreisstadt des Landkreises Mittelsachsen, kam es gestern zum größten Maiaufmarsch von Nazis in Sachsen. Nachdem das Bundesverfassungsgericht das Verbot einer geplanten Demonstration in Hannover bestätigt hatte, mobilisierten seit Donnerstag Freie Kräfte aus Sachsen und Thüringen zu einer Eildemonstration nach Freiberg mit dem sehr originellen und noch nie da gewesenem Motto “Zukunft statt Kapitalismus - Freiheit statt BRD”.

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