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Du bist (k)ein Nichts im Ganzen!

Wie es die Tradition verlangt, fand am zweiten Sonntag des Jahres in der Nikolaikirche der feierliche Neujahrsempfang der Universitätsstadt Freiberg statt. Dort wurden zwei Freiberger mit dem „Bürgerpreis“ der Stadt ausgezeichnet. Geladenen Gästen war es vorbehalten, auf den Stühlen am Grund der Kirche Platz zu nehmen. Der Rest durfte von den „Tribünen“ oberhalb der Seitenflügel das Spektakel beobachten. Um überhaupt etwas sehen zu können, musste man sich allerdings im stehen über die Veranda beugen.

Allerlei bekannte Gesichter bekam man dann zu sehen. Den Oberbürgermeister mit seinen beiden Beigeordneten, eingehüllt in ihre Trachten, dazu den Landrat, den Bürgermeister von Mittweida, drei Landtagsabgeordnete, sowie Abgeordnete des Kreistags, Preisträger_innen der Stadt und wichtige Vertreter_innen der Wirtschaft. Kurz: alles was Freiberg so an wichtigen Personen so zu bieten hat, war versammelt.

Schriftzug am Donatstor

Schriftzug am Donatstor

In den vorher verteilten Einladungsblättern der Stadt diente als Motiv das Donatstor, mit dem 1923 eingesetzten Schriftzug „Gemeinwohl geht über dein Wohl“. Durch das Tor sah man einen fototechnisch eingefügten Weitblick über die Stadt Freiberg. Das ließ einen das Hauptthema der Neujahrsansprache des OB erahnen. Im Jahr 2010 gilt es, so Schramm, „miteinander [zu] Reden“, „Konflikte [zu] bewältigen“ und das große Ganze weiter zu entwickeln, da es auch nach der „friedlichen Revolution […] kein Ende der Geschichte“ gibt. Anschließend wies er auf den im Flugblatt dargestellten Spruch hin und nutzte dies, um den Begriff des Gemeinwohls näher zu betrachten. So betonte Schramm, dass ein vermeintliches Gemeinwohl einen „Gesamtkonsens“ der Bevölkerung unterstellt, den es so nicht gibt. In der Geschichte diente die Berufung auf ein vermeintliches Gemeinwohl, stets der Legitimation von Herrschaft und der Ausschaltung politischer Gegner.

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dresden-nazifrei.de gesperrt

Aufgrund einer Sperrverfügung durch die Staatsanwaltschaft Dresden bzw. das LKA Sachsen ist die Domain dreden-nazifrei.de des Bündnis “Nazifrei! Dresden stellt sich quer” gesperrt. Begründung ist der Aufruf zu öffentlichen Straftaten, nach Einschätzung des juristischen Weblogs Telemedicus ist die Verfügung sehr merkwürdig. Da lernt mensch doch gleich wie Zensur wirkt!

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Zahl rechter Straftaten 2009

Am 5. Januar meldete die Zeitung mit den vier großen Buchstaben, dass die Zahl rechter Straftaten 2009 gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sei. Schön wär’s ja, ist aber falsch. Stefan Niggemeier hat sich die ganze Geschichte heute nochmal detaillierter vorgenommen. Lesebefehl!

Naziaufmarsch in Döbeln

Am letzten Novembersamstag demonstrierten 150 Neonazis aus Sachsen und Sachsen-Anhalt durch Döbeln. Ihr Motto: „Volkstod stoppen – Recht auf Zukunft“ ist seit der misslungenen Demonstration am 17.10.2009 in Leipzig ein Dauerbrenner in der deutschen Neonaziszene. Spontandemonstrationen im Nachgang der gescheiterten Großveranstaltung in Leipzig fanden unter anderem in Leipzig, Chemnitz, Borna, Eilenburg und Halle statt. Zeitgleich zur Demonstration in Döbeln demonstrierten im nordrehien-westfälischen Recklinghausen etwa 500 Neonazis unter dem selben Motto. Die Döbelner Veranstaltung verstand sich dabei als Alternative für diejenigen Neonazis, denen der Weg nach Recklinghausen zu weit war.

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Offener Brief zum Vorfall beim Fest der Kulturen

Beim Fest der Kulturen, das am 28. November 2009 in der alten Mensa stattfand, wurde von einem Vertreter des Agenda 21 e.V. unter Androhung des Hausrechtes die Auslage des FreibÄrger verboten. In einem Offenen Brief fordern wir den Agenda 21 e.V. auf, hierzu Stellung zu nehmen. Einen Bericht über das Fest der Kulturen wird in der nächsten Ausgabe des FreibÄrger erscheinen.

Der Offene Brief

Opfermarathon am Volkstrauertag

Vertreter_innen der Stadt gedenken gemeinsam mit Neonazis

Holger Reuter gedenkt den vermeintlichen Opfern der Bombardierung Freibergs

Stadtdezernent Holger Reuter bei der Kranzniederlegung

Am 15. November riefen die Stadt Freiberg und lokale Initiativen wie jedes Jahr dazu auf, am sog. Volkstrauertag den Opfern von Krieg, Gewaltherrschaft und Vertreibung zu gedenken. Es wurden Kränze an der Gedenktafel für die Zwangsarbeiterinnen des KZ-Außenlagers in Freiberg am Landratsamt, am Gedenkstein für die bei der Bombardierung am 07. Oktober 1944 getöteten Freiberger auf dem Donatsfriedhof, sowie bei den Denkmälern für die Opfer des Stalinismus und der sog. Heimatvertriebenen abgelegt. Während um die Vertriebenen und Bombentoten eine Gruppe von 20-30 Personen trauerte, fand sich lediglich eine Handvoll Menschen von VVN und Linkspartei am Mahnmal für die Verfolgten des Naziregimes ein. Die anderen fehlten.

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Kritik und Krise

Im Dezember lädt die alternative Stadtzeitung FreibÄrger zu zwei Vortragsveranstaltungen in die neuen Räumlichkeiten des soziokulturellen Vereins Roter-Weg e.V. ein.

Flyer zum Runterladen

veranstaltung-kritik-und-krise

Donnerstag, 10. Dezember
Kritische Theorie – Kritik und Krise I:

Die marxsche Gesellschaftskritik: “alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist …” (Marx)

Der Vortrag führt in grundlegende Begriffe und Zusammenhänge der Marxschen Theorie ein: Gesellschaft, Produktivkräfte, Produktionsverhältnisse, Fetisch, Ideologie, Reichtum, Wert, Ware, Geld, Kapital, Arbeit, Profit, Klassen. Was ist die kapitalistische Gesellschaft? Wie stellt sich ihr Zusammenhalt her und was treibt sie auseinander? Wie hängen in ihr Denken und Handeln zusammen? Wir verhalten sich Individuum und Gesellschaft: Ist die kapitalistische Produktionsweise von einzelnen Menschen gemacht oder eine ihnen vorausgesetzte objektive Struktur? Oder keines von beiden? Welche Rolle spielen die Krisen und warum treten sie auf? Warum waren sie Marx ein entscheidender Grund zur Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaft? Ist diese eine historische Errungenschaft? Oder ist sie rücksichtslos zu kritisieren? Oder beides? Was hat es mit der freien Entfaltung aller Individuen und der Aneignung des gesellschaftlichen Reichtums durch diese – frei zusammengeschlossenen – Individuen auf sich?

Referent: Martin Dornis (freier Autor, Mitglied im Leipziger Bündnis gegen Antisemitismus)

Donnerstag, 17. Dezember
Kritische Theorie – Kritik und Krise II:

Gesellschaftskritik nach Auschwitz: „…dass… nichts ähnliches geschehe“ (Adorno)

Im 19. und 20. Jahrhundert zwangen die Entwicklungen der kapitalistischen Gesellschaft zu einer Neuformulierung der kritischen Theorie. Im deutschen Nationalsozialismus hatte sich bewiesen, dass die kapitalistische Gesellschaft an ihren Krisen nicht zwangsläufig scheitern muss, wie es Marx vermutet und gehofft hatte. Vielmehr kann es dazu kommen, dass sie sich durch antisemitischen Massenwahn und unter Regie eines autoritären Staates gewaltförmig zusammenhält. Die Krise, die laut Marx die kapitalistische Gesellschaft auseinander treiben würde, wird dabei zu dem, was sie allein noch zusammenhält. Die Ideologie, insbesondere der Antisemitismus, kann nicht mehr als Ergebnis der Gesellschaft beschrieben werden. Vielmehr wird er selbst zum Grund, aus dem die Gesellschaft noch existiert: Das nazifaschistische Deutschland muss als ein „Produktionsverhältnis des Todes“ (isf) beschrieben werden. Im Moment des krisenhaften Zerbrechens der kapitalistischen Gesellschaft wurde in Deutschland der gesellschaftliche Zusammenhalt durch Massenmord gestiftet. Dies erzwingt eine völlig neue Art von Gesellschaftskritik mit veränderter Perspektive: Die Gesellschaft so einzurichten, dass sich derartiges nicht wiederholt.

Referent: Martin Dornis (freier Autor, Mitglied im Leipziger Bündnis gegen Antisemitismus)

wann: immer 19 Uhr
wo: Roter Weg 43

Ermöglicht werden die Veranstaltungen durch die freundliche Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Wie immer gilt: Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die neonazistischen bzw. rechten Parteien oder Organisationen angehören, der neonazistischen bzw. rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Freie Radios in Sachsen von Abschaltung bedroht

Die freien Radios in Sachsen sind von der Abschaltung bedroht! Auf diesem
Blog werden Informationen zum Thema und aktuelle Berichte von den drei Radio-Sendern zusammengetragen und veröffentlicht.

freie radios blog

Veranstaltungshinweis: Wunder muss man ausprobieren

Lesung und Gespräch mit Ministerpräsident a.D. Dr. Reinhard Höppner

Montag, 02.11.09
19:00 bis 21:00 Uhr
Büchereck am Dom, Kirchgasse 15, 09599 Freiberg

“Eine ebenso kenntnisreiche wie lebhafte Schilderung dieser Schlüsselzeit unserer Geschichte.”
Richard von Weizsäcker

Aus eigener Erfahrung und mit ebenso unterhaltsamen wie symbolträchtigen Episoden veranschaulicht Reinhard Höppner die Geschichte der DDR und den Aufstand gegen die SED-Herrschaft im Herbst 1989. In jenen Monaten vom Fall der Mauer bis zum Tag der Einheit schwankten viele Bürger zwischen der Freude über die neugewonnene Freiheit und der Angst vor künftigen Veränderungen. Die Dynamik der Ereignisse setzte auch Politiker in Ost und West unter Druck. Aufrichtig zieht Reinhard Höppner Bilanz: Was hätte auf dem Weg zur Einheit besser gelingen können? Oder ließ das Tempo der Veränderung tatsächlich keinen Raum für Alternativen? Eine aufschlussreiche und eindrucksvolle Darstellung von einem glaubwürdigen Zeitzeugen auch für all jene, die diese dramatischen Ereignisse nicht unmittelbar miterlebt haben.

Dr. Reinhard Höppner, Jahrgang 1948, studierte nach einer Ausbildung zum Elektromonteur in Dresden Mathematik. 1980 - 1994 war er Präses der Synode der evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen. Er engagiert sich im Deutschen Evangelischen Kirchentag, dessen Vorstand er seit 2001 angehört.
Im Dezember 1989 trat Reinhard Höppner in die neu gegründete SDP der DDR ein. 1990 war er Mitglied der ersten freigewählten Volkskammer der DDR und amtierte dort als einer der Vizepräsidenten. Er war seit den ersten Landtagswahlen 1990 bis 2006 Mitglied des Landtages und 1994 - 2002 Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt.

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Pension verweigert Aufnahme eines indischen Doktoranden

pension-st-georgDie Freiberger Pension St. Georg auf der Georgenstraße weigert sich, einen indischen Doktoranden für einen Monat temporär aufzunehmen, wie einer Rundmail des Univerteilers zu entnehmen war. Dort heißt es: “Begründung sind die von Chinesen sowie Indern ausgehenden Gerüche. Der Inhaber, Herr Schwender, sieht sich nicht als Rassist, sondern fürchtet eher um die guten Beziehungen zur Bergakademie. Die bei ihm ein- und ausgehenden Gäste verschiedener Fakultäten könnten sich durch die Anwesenheit eines Inders und seiner körper- sowie kulinarichen Gerüche belästigt fühlen, was Beschwerden zur Folge haben könnte. Bitte beachten Sie dies bei künftigen Buchungen für Gäste.”