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Lügendetektor

lugendetektor1905 wird Saul Kussiel Padover als Sohn jüdischer Eltern in Wien geboren, wandert mit seiner Familie aber 1920 in die USA aus. Aufgrund seiner besonderen Kenntnisse über Deutschland wird er 1944 als Angehöriger der Division für psychologische Kriegsführung der US Army nach Deutschland geschickt. Er soll herausfinden, was in den Köpfen der Besiegten vor sich geht. Den alliierten Fronttruppen folgend, ist seine Einheit die erste, die sich ein genaueres Bild der Deutschen und ihrer Einstellungen in den frisch eroberten Städten macht. Padover führt vor allem Interviews mit „ganz normalen Menschen“, mit Arbeitern, Hausfrauen, Lehrer_innen, Kindern und entlarvt dabei, wie tief diese die nationalsozialistische Ideologie verinnerlicht haben. Immer wieder kommt er dabei auch in Konflikt mit amerikanischen Befehlshabern, die ehemalige Nazigrößen in Verwaltungsposten einsetzen, oder seine Arbeit behindern. Padovers Expertisen haben die Deutschlandpolitik der amerikanischen Militärregierung unmittelbar beeinflusst und auch später hat Eisenhower die Ratschläge zu Rate gezogen und beherzigt.

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Die brutale Beendigung einer demokratischen Erfolgsgeschichte

Hans Martin Schleyer und die deutsche Vernichtungselite in Prag Nachdem bereits in Folge des Münchener Abkommens vom 30. September 1938 die tschechischen Grenzgebiete als „Gau Sudetenland“ von Deutschland annektiert worden waren, wurde die Tschechoslowakei am 15. März 1938 durch die Besetzung der verbliebenen tschechischen Landesteile durch deutsche Truppen sowie die Unabhängigkeitserklärung einer faschistischen Regierung in der Slowakei aufgelöst. Daran schloss sich ein sechsjähriges deutsches Terrorregime an, dem 78.000 der 120.000 in Böhmen und Mähren lebenden Juden zum Opfer fielen. Auch die tschechische Bevölkerung sollte nach den Vorstellungen des Chefraumplaners der SS, Konrad Meyer, nach Ende des Krieges entweder eingedeutscht oder „umgesiedelt“ werden. Vorerst wurden diese Menschen aber noch für den Weiterbetrieb der kriegswichtigen und hochentwickelten tschechischen Industrie benötigt. Bereits während des Krieges war mit der Arisierung des Landes begonnen worden, in dem unter anderem 16.000 Bauernhöfe enteignet und an „Volksdeutsche“ weitergegeben wurden.

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“Der Verbrecher von gestern ist der Held von heute.”

Fritz BauerFritz Bauer und die juristische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus

Die strafrechtliche Aufarbeitung des Nationalsozialismus blieb in der Bundesrepublik Deutschland rudimentär. Dies hatte hauptsächlich mit der politischen und ideologischen Verwurzelung der deutschen Nachkriegsgesell- schaft im Nationalsozialismus zu tun. Im Bereich der Justiz war diese Verwurzelung aufgrund der personellen Kontinuitäten beson- ders folgenreich. So waren Mitte der 50er Jahre knapp 80% der Richter des Bundesgerichtshofs (BGH), des obersten deutschen Straf- gerichts, bereits zu NS-Zeiten Richter gewesen und in den 60er Jahren lag dieser Anteil noch bei etwa 70%. Der BGH war mit seiner restriktiven Rechtsprechung etwa zur Abgrenzung von Täterschaft und bloßer (geringer bestrafter) Teilnahme oder zur Rechtsbeugung mitverantwortlich dafür, dass die strafrechtliche Verfolgung der deutschen Täter begrenzt blieb.

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Per Fahrrad durch Deutschland

In 14 Tagen über 1500 km für 130 Euro! Erlebnis und Abenteuer pur. Ein Freund der Redaktion berichtet von seinem Sommerurlaub.

Noch sieben freie Sommerwochen bis zum Beginn des Studiums und wie immer: Ohne Moos nix los! Aber nichts machen und mich nur in heimischen Gefilden aufzuhalten ist so rein gar nicht meine Sache. Abenteuer, Spannung und Spaß mussten her – jedoch für kleines Geld.

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Antifaschistischer Karneval?

Überlegungen zum Antifaschismus in der sächsischen Linkspartei

“Ich erinnere mich sehr gut daran, dass ich als Wurzener Keks Flugblätter an die Einwohnerinnen und Einwohner verteilte. Die Verkleidungen hatten in der Stadt ansässige Firmen gesponsert. Ich erinnere mich gern an die Aktion. Sie wird auch den Nazis unvergessen sein, die damit leben mussten, dass es Konfetti auf sie regnete und dass immer wieder der Narrhalla-Marsch angestimmt und mit Trompeten und Posaunen geschmettert wurde.” [Köditz, S. 40]

Köditz und morgen?-CoverDie Sprecherin für antifaschistische Politik der Partei “Die Linke” im sächsischen Landtag, Kerstin Köditz (42), hat einen sehr persönlich gehaltenen Rechenschaftsbericht über ihr antifaschistisches Engagement in der letzten Legislatur als Buch mit dem Titel “und morgen? Extreme Rechte in Sachsen” beim Berliner Verbrecher Verlag veröffentlicht. Die Antwort auf die rhetorische Frage im Titel gibt sie in ihrem Schlusskapitel. Sie träumt davon, dass sich in ganz Sachsen Menschen gegen die Nazis stellen oder die “extreme Rechte”, wie Köditz sie auch genannt wissen will. Dieser Traumzustand scheint nach ihrem Empfinden bereits in Grimma, ihrem Heimatort, erreicht zu sein. Das Timing der Veröffentlichung passte; denn das Werk von Köditz kam rechtzeitig zur nächsten sächsischen Landtagswahl auf dem Markt, bei der sie auf Listenplatz 15 für “Die Linke” wieder kandidiert. Wenn die Partei keine derbe Abfuhr bei der Wahl erhält, dürfen Kerstin Köditz und ihr Mitarbeiter, Volkmar Wölk, für weitere fünf Jahre die antifaschistische Politik der sächsischen Linkspartei vom Landtag aus lenken. Es sei nebenbei bemerkt, dass auch für diese politische Aufgabe eine Verjüngerung längst überfällig ist.

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Freiberg, Gentilly, Kolobo

Differenzierte kulturelle Wahrnehmungen und sensibilisierende Probleme

“In Europa ist man die schlechten Nachrichten aus Afrika so gewöhnt, dass man die guten nicht mehr wahrnimmt”, behauptete Doris Lessing1.

Auch der französische Verein AJ162, gegründet 1996 von einer Gruppe Jugendlicher mit malinesischen Immigrationshintergrund in dem Pariser Vorort Gentilly, wird dieser Aussage zustimmen. Um diese Tatsache zu ändern, fand vom 02. bis 21. Juli 2009 ein deutsch-französischer Jugendaustausch zwischen Repräsentanten und Repräsentantinnen der Partnerstädte Freiberg und Gentilly im westafrikanischen Mali statt.

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Unterwegs mit der NPD

in-der-npdDie Journalisten Christoph Ruf und Olaf Sundermeyer haben zwei Jahre lang im Dunstkreis der NPD recherchiert. Ohne Berührungsängste aber auch mit professioneller Distanz haben sie die NPD vor allem dadurch porträtiert, indem sie ihre Funktionäre und Unterstützer selbst zu Wort kommen lässt.

Das Buch teilt sich 16 Kapitel ein. Neben der geschichtlichen Entwicklung und der chronisch schlechten finanziellen Lage beleuchten die Autoren vor allem die Ideologie der Partei. Ruf und Sundermeyer schreiben im Vorwort, dass sie damit gerechnet haben es “rechtsextreme, verfassungsfeindliche Bewegung” zu tun haben. Nicht gerechnet hatten sie damit “auf eine, aus unserer Sicht, national-sozialistische Partei” zu treffen. Überraschend ist das eigentlich nicht, predigt die NPD doch schon lange dass Nationalismus und die “soziale Frage” zusammengehört. Interessant wird das Buch vor allem wenn es um die Parteifunktionäre vor Ort geht und ihre Strategien mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen und Wahlkampf zu machen. Da fährt der Kandidat für die Landratswahl in Sachsen schonmal selbst über die Dörfer und verteilt Wahlzettel. Es wird auch immer wieder deutlich, dass die NPD nach wie vor ein Personalproblem hat und jeder Funktionär gleich mehrere Aufgaben versieht. Ohne die sogenannten “Freien Kräfte würde außerhalb der größeren Städte für die Partei sowieso nichts möglich sein. Eine wichtige Rolle spielt auch der Umgang der lokalen Bevölkerung und Medien mit der NPD bzw. Neonazis allgemein. Das Buch bietet dem antifaschistisch orientierten Linken nicht wirklich etwas Neues. Jedoch ist es gut geschrieben und verzichtet auf jegliche Verharmlosung aber auch jeglichen Alarmismus. Auf alle lesenswert!

Christoph Ruf, Olaf Sundermeyer: “In der NPD - Reisen in die national befreite Zone” 229 Seiten, Verlag C.H. Beck, 12,95 Euro

Die Dämonisierung der DDR

damonisierung-durch-vergleichDer bekannte und streitbare Historiker Wolfgang Wippermann hat ein neues Buch vorgelegt, von ihm selbst, zu Recht, als Streitschrift bezeichnet. Auf der Rückseite wird der letzte Absatz des schmalen Bandes zitiert, der in wenigen Zeilen die Absicht des Buches darstellt: “Die vorliegende Streitschrift möchte zur Neuorientierung beitragen. Vor allem aber soll sie zu einem gerechteren Umgang mit der DDR anregen. Die DDR war unzweifelhaft eine Diktatur und mit Sicherheit kein Rechtsstaat, doch ebenso wenig war sie eine totalitäre und mit dem nationalsozialistischen Unrechtsstaat zu vergleichende ‘zweite Diktatur’. Dies kommt einer Dämonisierung der DDR gleich, die wiederum mit einer Relativierung des Dritten Reiches verbunden ist.” Insbesondere die letzen beiden Sätze sind dazu angetan eine Debatte über die historische Betrachtung der DDR zu befeuern.

Wippermann teilt seine Argumentation in vier Abschnitte. Im ersten Teil “Theorien und Begriffe” geht er auf die Totalitarismus- und Extremismustheorie ein. Des weiteren zeigt der Wippermann wie die Begriffe “Wehrhafte Demokratie” und “Ostzone” entstanden und politisch zu verstehen sind. Im zweiten Kapitel werden einige Kontroversen näher beleuchtet, z. B. die Frage ob die sowjetischen Lager nach dem 2. Weltkrieg als “sowjetische Konzentrationslager” auf deutschem Boden bezeichnet werden können. Auch dem unhaltbarem Vergleich zwischen Gestapo und Stasi (“Rote Gestapo”) nimmt sich der Autor an. Daran anschließend beleuchtet Wippermann einzelne Personen und Institutionen und deren Motivation hinsichtlich einer dämonisierenden Darstellung der DDR.

Trotz des mitunter reichlich polemischen Stils eine lesenwertes und lesbares Buch, da zumindest viele Anknüpfungspunkte für Diskussionen bietet.

Wolfgang Wippermann: “Dämonisierung durch Vergleich: DDR und Drittes Reich”, 160 Seiten, Rotbuch Verlag, 9,90 Euro

“Ihr müsst ihnen Hoffnung geben”

milk7. November 1978: Beinahe 60% der Wähler in Kalifornien, USA stimmen gegen die zwangsweise Entlassung aller homosexuellen Lehrer in öffentlichen Schulen.
4. November 2008: Beinahe 60% der Wähler in Kalifornien, USA stimmen für ein Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen.

Zwei Wochen zuvor startete der neue Film von Gus van Sant in den Kinos und erzählt die Geschichte von Harvey Milk, einer der bekanntesten Bürgerrechtsaktivisten der Schwulen- und Lesbenbewegung in San Francisco während der 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts und der erste offen schwul lebende Mann, der in ein öffentliches Amt gewählt wurde. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass die Abstimmung 1978 ein Erfolg für die Schwulen- und Lesbenbewegung wurde.Kurz darauf wurde er von einem ehemaligen Amtskollegen erschossen.
Sean Penn spielt in van Sants Film die Rolle des Harvey Milk und hat dafür zu Recht den diesjährigen Oscar als bester Hauptdarsteller erhalten, ebenso wie Dustin L. Black für das beste Original-Drehbuch.

Harvey Milk stammte aus einer Familie der Mittelklasse im Bundesstaat New York. Er studierte Mathematik und nahm als Soldat am Koreakrieg teil. Später arbeitete er in New York als Versicherungskaufmann und an der Wall Street. Zu seiner Homosexualität bekennt er sich zu dieser Zeit noch nicht öffentlich aus Angst vor Ausgrenzung.

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Waltz with Bashir

waltzwithbashirDer israelische Regisseur Ari Folman kämpft in der animierten Dokumentation mit seinen Erinnerungen an den ersten Libanonkrieg.

Eine Filmkritik

26 wilde Hunde hetzen auf der Jagd nach einem Mann durch belebte Straßen. Ein Freund, der 1982 von Israel als Soldat in den Libanon geschickt wurde, erzählt Ari Folman von diesem immer wiederkehrenden Albtraum. Er hatte die Aufgabe, bellende Hunde zu erschießen, bevor sie feindliche Truppen aufwecken könnten. Diese würden nun versuchen, sich an ihrem Mörder zu rächen. Ari Folman, der zur gleichen Zeit im Libanon stationiert war, kann sich dagegen an seine Erlebnisse in der Kriegszeit nicht mehr erinnern, ihm blieb nur eine diffuse Traumsequenz. Um die verlorenen Bilder wieder zu finden, macht er sich auf die Suche nach weiteren Kameraden. Dabei begleitet ihn die Angst, an den Massakern in den Flüchtlingslagern Sabra und Shatila, bei denen christliche Falangisten unter den Augen der israelischen Armee Tausende von palästinensischen Zivilisten abschlachteten, beteiligt gewesen zu sein.

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