Ausgabe #71 - Dezember/Januar/Februar 2010
09. April 2010
Editorial der Ausgabe Dezember/Januar/Februar 2010 (#71)
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
es ist Winter und auch Weihnachten ist nicht mehr fern. Nicht, dass uns dieses Fest sehr am Herzen liegt, aber von einem Besuch des Weihnachtsmarktes möchten wir doch in aller Eindringlichkeit abraten. In dieser kalten Jahreszeit ist schließlich nicht der warme Glühwein, sondern eigentlich nur eine Flucht gen Süden ein adäquater Ausweg. Das dachten sich anscheinend auch die Organisator_innen des Fest der Kulturen. Die holten zwar nicht die Sonne, aber jede Menge Menschen vermeintlich anderer Kulturkreise in die Alte Mensa, um sie dem Publikum vorzuführen. Was daran problematisch ist, steht auf der nächsten Seite.
Herr Otparlik, Projektkoordinator und Büroleiter des Freiberger Agenda 21 e.V., verbot übrigens kurzerhand den Verkauf des FreibÄrger während des Festes und drohte mit dem Hausrecht. Ein offener Brief an den Agenda 21 e.V. ist auf unserer Website einsehbar; bisher allerdings noch unbeantwortet. Herr Hopf von der CDU ging schließlich noch ein Stück weiter und diffamierte den FreibÄrger in einer Stadtratssitzung als “linksextremistisch”, was selbst einige seiner Fraktionskollegen für unangebracht hielten. Stadtdezernent Holger Reuter allerdings vermutlich weniger. Zumindest war er sich auch dieses Jahr nicht zu schade, am sog. Volkstrauertag gemeinsam mit Nazis von der NPD die bei der Bombardierung Freibergs getöteten Menschen zu betrauern. Zumindest Oberbürgermeister Schramm hatte wohl Besseres zu tun.
In Dresden stehen die Zeichen ganz ähnlich. Am 13. Februar werden Neonazis anlässlich des 65. Jahrestages der Bombardierung Dresdens wieder zu Tausenden durch Dresden marschieren. Wichtiger als der Protest gegen die Nazis scheint uns allerdings auch dort eine Kritik am Verhalten der Stadt. Die leistet der Vorbereitungskreis “Keine Versöhnung mit Deutschland” in ihrem Aufruf, den wir auch der Freiberger Politikelite nur ans Herz legen können. Die sächsisches Landesregierung hat eine andere Strategie gegen die Naziaufmärsche. Das Versammlungsgesetz soll eingeschränkt werden, vorgeblich um Aufmärsche von Nazis an Gedenkorten zu verhindern. Welche Konsequenzen diese geplante Gesetzesänderungen tatsächlich haben wird - de facto soll demonstrationsfreie Räume an besonderen Orten geben - hat Till Grefe bereits in der Wochenzeitung Jungle World erläutert. Wir drucken den Artikel trotzdem noch einmal, da die Zahl der Jungle World-Abonennten in Freiberg leider viel zu gering ist, um Tills Ausführungen die gebührende Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Schließlich laden wir im Dezember und Januar zu neuen Vortragsveranstaltungen in die neuen Räumlichkeiten des Roten Weg e.V. ein. Die Ankündigungen finden sich im Heft. Wir würden uns freuen, den einen oder die andere dort zu sehen. Wer dazu keine Gelegenheit hat, wird Audiomitschnitte der Veranstaltung bald auf unserer Homepage finden. Die nächste Ausgabe erscheint dann im März.
Die Redaktion
Die aktuelle Ausgabe des FreibÄrger ist am 17. Dezember erschienen und wird hier verkauft.
Inhalt:
Thema
Vielfalt und Toleranz?
“Sie behandeln uns wie Tiere”
Lokales
Die unendliche Geschichte
Neues aus dem Stadtrat
Freiberger Arbeitsfront
Videoüberwachung am Busbahnhof
Hammerberg bleibt vorerst geschlossen
Politics
Die Freien Radios in Sachsen sind von der Abschaltung bedroht!
Antifa
Keine Versöhnung mit Deutschland!
Ein Mythos wird Gesetz
Opfermarathon am Volkstrauertag
Kultür
Die brutale Beendigung einer demokratischen Erfolgsgeschichte
Theorie
Geschichte des Faschismus Teil VI
Die Ausgabe als PDF






