Aktuelle Ausgabe

Editorial der Ausgabe März/April 2010 (#72)

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

obwohl das Jahr 2010 noch gar nicht so alt ist, ist bereits eine Menge geschehen. In Freiberg ist momentan einiges im Wandel: Nach der Neugestaltung der Burgstraße, dem Neubau des Kaufhauses und der Umgestaltung des Busbahnhofes stehen als nächstes Schlossplatz, Poststraße, Obermarkt und Erbische Straße an. Am Bahnhof sollen neue Einkaufsmöglichkeiten entstehen und in der Stadt streitet man sich mal wieder um Parkplätze. Denn das schöne Anliegen eines autofreien Obermarktes und Schlossplatzes ist natürlich nur mit einer Verlagerung des Verkehrs zu haben. In all den Diskussionen um das Freiberg der Zukunft bleibt das Freiberg der Vergangenheit derweil oft unbeachtet. Michael Düsing war daher so nett, in dieser Ausgabe an die tragische Geschichte des alten Schocken-Kaufhauses zu erinnern, das in der Zeit seiner Entstehung ebenso modern und wegweisend für Freiberg gewesen ist.

Am 27. Januar - am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus - erinnerte die Antifaschistische Gruppe Freiberg außerdem an die Opfer der nationalsozialistischen Zwangsarbeit in Freiberg, die heute weitgehend aus dem kollektiven Gedächtnis verdränt sind. Immerhin hoch anzurechnen ist, dass an diesem Tag sogar Vertreter_innen der CDU den Opfern gedachten. Die Ehrung der Gefallenen der Roten Armee war für Stadtdezernent Holger Reuter dann doch sicher zu viel des Guten.

In Dresden trauerten am 13. Februar wieder tausende Nazis und Bürger_innen um die deutschen Bombentoten des Zweiten Weltkrieges. Bundesweit mobilisierten zahlreiche Gruppen zu Blockaden gegen den Naziaufmarsch und hatten damit letztendlich auch Erfolg. Vorher war das Bündnis “Dresden - nazifrei” massiven Schikanen ausgesetzt gewesen - Büroräume wurden durchsucht, Plakate beschlagnahmt und sogar die Internetseite gesperrt. Angeblich, weil der Aufruf zu Blockaden eine Straftat darstellt. Das sehen wir auf jeden Fall anders, wollen aber auch die Frage stellen, ob Blockaden das richtige Mittel sind, um Nazis zu begegnen. In Chemnitz werden jene am 5. März anlässlich der Bombardierung ebenfalls marschieren. Dagegen wird es keine Blockaden geben, sondern eine Demonstration gegen Geschichtsrevisionismus. Den lesenswerten Aufruf haben wir in dieser Ausgabe abgedruckt.

Zur geplanten Kürzung der Jugendhilfe gibt es leider keinen Artikel. Sie soll aber zumindest hier nicht unerwähnt bleiben. Informationen und Protestmöglichkeiten finden sich auf der Webside des Kinder- und Jugendring Sachsen e.V. http://www.kjrs-online.de.

Momentan erfreut sich außerdem die “Extremismustheorie” weiterhin großer Beliebtheit. Gemeinsam mit der Initiative gegen jeden Extremismusbegriff, deren aktuelles Positionspapier wir ebenfalls abgedruckt haben, und der Heinrich-Böll Stiftung wollen wir eine Diskussionsveranstaltung zu Sinn und Unsinn des Extremismusbegriffes veranstalten. Mehr dazu wird in der nächsten Ausgabe zu finden sein. Dann werden wir auch über die drohende Abschiebung des Freiberger Künstlers Reza Ghanbary berichten. Außerdem arbeiten wir gerade an einer Broschüre über Nazistrukturen im Landkreis Mittelsachsen und hoffen dafür auf eine Förderung durch den lokalen Aktionsplan. Auch bei uns ist also eine Menge los. Genießt den Frühling!

Die Redaktion

Cover der Ausgabe #72 des FreibÄrger

Cover der Ausgabe #72 des FreibÄrger

Inhalt:

Thema
Was lange währt, wird endlich gut?
Einsames Erinnern
Was ist Antisemitismus?

Lokales
Du bist (k)ein Nichts im Ganzen!
Lokaler Aktionsplan
Freiberg braucht ein Parkhaus!
Streik für die Arbeitgeber_innen
Sozialneid in Freiberg
In eigener Sache
Neues aus dem Stadtrat

Antifa
Der 13. Februar in Dresden
Und alle gegen Nazis!
Keine Entwarnung
Das Tränenmeer trocken legen

Theorie
Gegen jeden Extremismus? Nicht mit uns!

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