Jugendliche wählen
24. Oktober 2009
Zur Bundestagswahl am 27. September waren viele Bürger_innen von der Mitbestimmung ausgeschlossen. Wer keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, durfte nicht wählen, obgleich sich für diese Menschen politische Entscheidungen genauso auswirken wie für alle anderen, die in Deutschland leben. Deutsche wiederum, die im Ausland leben und von Entscheidungen, die hier getroffen werden, kaum bis gar nicht betroffen sind, durften mitbestimmen. Außerdem gilt das aktive Wahlrecht nur für Personen ab dem 18. Lebensjahr.
Alle jüngeren konnten bei der “U 18″-Wahl ihre symbolische Stimme abgeben. In Sachsen beteiligten sich über 9000 Jugendliche an dieser Pseudowahl. Die meisten Stimmen errang die CDU mit 27%, SPD, Linke, FDP und Grüne kamen auf Werte zwischen 13% und 16%. Eine sehr hohe Zustimmung erlangte die NPD. Ihr gaben 12,78% (total 1133) die Stimme. Diese Zahlen sollten beunruhigen. Sachsen war mit über 100 Wahllokalen nach Berlin und Bayern das Bundesland mit den meisten Wahllokalen. Die Gefahr neonazistischer und menschenverachtender Einstellungen wird in der Jugendarbeit unterschätzt. In vielen Jugendklubs, vor allem im ländlichen Raum, dominieren längst rechte Jugendliche. Jugendarbeiter_innen und Lehrer_innen sind oft ratlos oder erkennen diese Tendenzen nicht. Hier gibt es einen großen Bildungsbedarf. Wichtigste Aufgabe muss dabei die Vermittlung humanistischer Werte und die Entwicklung eines Empathievermögens sein. Die Stärkung antifaschistischer und demokratischer Jugendkultur kann rechte Einstellungen zurückdrängen und nicht-rechte Jugendliche stärken, was in dieser Altersphase sehr wichtig ist.


