freibaerger.org zieht um

Aus verschiedenen Gründen haben wir uns beschlossen unseren Provider zu wechseln. In (hoffentlich) wenigen Tagen werden wir (Achtung, Werbung) bei manitu unterkommen. Bis dahin wird es hier keine aktuellen Meldungen geben. Möglicherweise sind wir einige Zeit offline.

Erneut Anschläge auf Döner-Imbiss

In der Nacht zum Donnerstag, den 29. Juli 2010, wurde auf das “Dürum Döner Kebab Haus” ein Brandanschlag verübt, berichtet die Freie Presse. Unbekannte schmissen Steine und einen Brandsatz durchs Fenster. Der im Obergeschoss wohnende Besitzer bemerkte dies sofort und verständigte die Feuerwehr. Menschen kamen nicht zu schaden, die Räumlichkeiten sind jedoch nicht mehr nutzbar, obwohl die Feuerwehr die Flammen schnell unter Kontrolle bringen konnte.

Nicht weit entfernt, in einem Imbiss an der Ecke Burgstraße/Akademiestraße, wurden auch die Scheiben eingeworfen, jedoch kein Brand gelegt.

Die Sonderkommission Rechtsextremismus der Polizei ermittelt wegen schwerer Brandstiftung. Es werden Zeugen gesucht, die einen etwa 25-jährigen Mann mit dunklem Kapuzenshirt am Donnerstag zwischen 3 und 4:30 Uhr in der Burgstraße gesehen haben. Hinweise sind telefonisch unter 0800 6738152 erbeten.

Brandanschlag auf Imbiss in der Poststraße verübt

Wie die Freie Presse vom 28. Juli berichtete, ist gestern gegen 3:30 Uhr ein Brandanschlag auf das “Shahi Döner Kebap - Curry House” in der Poststraße verübt wurden. Personen wurden dabei zum Glück nicht verletzt, es entstand aber ein Sachschaden von mehreren Tausend Euro. Laut Polizeisprecherin Heidi Henning lässt sich ein fremdenfeindlicher Hintergrund nicht ausschließen.

Eine Zeugin hatte kurz nach 3:30 Uhr gesehen, wie sich ein Unbekannter an der Eingangstür des Imbisses zu schaffen gemacht und etwas angezündet hatte. Der Täter trug eine schwarze Kapuzenjacke mit heller Aufschrift und hatte offenbar mehrere Steine und einen Molotowcocktail gegen die Eingangstür geworfen.
Die Polizei ermittelt nun wegen versuchter schwerer Brandstiftung und sucht weitere Zeugen. Wer in der Nacht zum Dienstag Beobachtungen gemacht hat, die mit der Straftat im Zusammenhang stehen könnten, kann sich beim Polizeirevier in Freiberg unter der Telefonnummer 03731 700 melden.

Ausgabe #74 - Juli/August/September 2010

Editorial der Ausgabe #74 - Juli/August/September 2010

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

aus aktuellen Anlässen dominiert in dieser Ausgabe die Geschichte. Ein erfreuliches Ereignis gleich vorweg: Im September sollen in Freiberg insgesamt 10 neue “Stolpersteine” verlegt werden, die an Freiberger Jüdinnen und Juden erinnern, die den Nationalsozialismus mit ihrem Leben bezahlen mussten. Eines der Schicksale - das von Max Freud - hat Dr. Michael Düsing in dieser Ausgabe exemplarisch vorgestellt, weitere werden in seiner Broschüre “Steine des Erinnerns - Stolpersteine in Freiberg. Die Judenverfolgung in Freiberg zwischen 1933 und 1945” folgen. Schade ist indes, dass die Stolpersteine von privaten Patenschaften finanziert werden müssen. Damit diese 950 Euro für 10 Steine zusammen kommen, rufen wir hier deshalb nochmals zur Übernahme von Patenschaften auf.

Während sich der jüdischen Opfer durch die Verlegung der Steine erinnert wird, zielt die Ausstellung “Die Kriegskindergeneration”, die momentan im Stadt- und Bergbaumuseum zu sehen ist, auf etwas ganz anderes. Einer anderen Opfergruppe, die der Kinder, soll dort Gehör verschafft werden. Dass sich die im Ankündigungstext vollzogene Gleichsetzung verschiedenster Opfergruppen ganz in der Konzeption durchsetzt, war eine Befürchtung, die sich in weiten Teilen bestätigt hat. Dennoch sind die Thematisierung der Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus und zwei von Dr. Michael Düsing im Rahmen der Ausstellung angebotene Stadtführungen zur “Geschichte der Juden in Freiberg” positiv hervorzuheben. Dazu mehr auf den folgenden Seiten.

Antisemitismus ist ein sehr aktuelles Thema, das haben die Reaktionen auf den Vorfall um die Mavi Marmara Ende Mai gezeigt. Die einhellige Kritik am Vorgehen Israels quer durch die deutsche Parteien-, Presse- und Meinungslandschaft, die sich auch nicht durch harte Fakten erschüttern ließ, ist dafür erschreckendes Beispiel. Die Scheinheiligkeit dieser Israelkritik offenbart sich nicht zuletzt an der Bewertung tatsächlicher “humanitärer Katastrophen”, wie im Sudan oder den Repressionen, denen die iranische Oppositionsbewegung ausgesetzt ist. Einer Demonstration anlässlich des zweiten Jahrestages der Präsidentschaftswahlen im Iran folgten in Dresden immerhin etwa 100 Menschen. Wir dokumentieren hier nochmal einen Redebeitrag der Antifaschistischen Gruppe Freiberg, der auf der Demonstration verlesen wurde.

Ansonsten gibt es auch in Freiberg wie immer genug Gründe, sich zu ärgern. Der Vorbereitungskreis für das “Fest der Kulturen” will unter der Dominaz des Agendavereins noch immer nicht einsehen, dass es für Flüchtlinge nichts zu feiern gibt und ist nach wie vor der Ansicht, dass Kritik dem Festcharakter nicht entspricht. Der Studentenrat der Uni hat es wohl geschafft in seiner Beliebtheit ein historisches Tief zu erreichen, nicht zuletzt aufgrund der Pleite nach den Studententagen. Im Asylbewerberheim gibt es leider nichts Neues. Immerhin wird im Dresdner Stadtrat bald über dezentrale Unterbringung der Asylsuchenden debattiert. Eine Debatte, die auch in Freiberg notwendig wäre. Vielleicht könnte das auf dem “Fest der Kulturen” Thema sein, aber das ist dem Agenda-Verein sicher zu kritisch. Wir lesen uns zur Jubiläumsausgabe #75.

Die Redaktion

Die aktuelle Ausgabe des FreibÄrger ist am 23. Juli erschienen und wird hier verkauft.

Cover der Ausgabe #74

Cover der Ausgabe #74

Inhalt:

Thema
Die Kriegskindergeneration in Freiberg
Jüdische Geschichte in Freiberg
Die Fronfeste
“Hat eine arische Frau geküßt”
Patenschaften für Stolpersteine

Lokales
Im Westen von Freiberg nichts Neues
Neues aus dem Stadtrat

Antifa
Autonom und national
Brandanschlag in Döbeln

Politics
Wer Deutschland liebt, muss Griechenland hassen!
Proteste im Iran jähren sich das erste Mal
Freiheit statt Angst - Demoaufruf

Theorie
Suicide Bombing, die antisemitische Opferbewegung und das Völkerrecht

Die Kriegskindergeneration in Freiberg

Die Ausstellung „Die Kriegskinder-Generation in Freiberg“ ist vom 8. Mai bis 24.Oktober zu besichtigen.

Die Ausstellung „Die Kriegskinder-Generation in Freiberg“ ist vom 8. Mai bis 24.Oktober zu besichtigen.

Vom 8. Mai bis 24.Oktober ist im Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg die Ausstellung „Die Kriegskinder-Generation in Freiberg“ zu sehen. Im Einladungstext dazu heißt es: „Sie waren unter der Naziherrschaft begeisterte Pimpfe in der Hitlerjugend oder spielten Theater in der Mädchenorganisation der Hitlerjugend. Sie litten unter dem Bombenterror, der Vertreibung, der Abwesenheit des Vaters. Andere mussten als jüdische Mädchen Sklavenarbeit für die Rüstungsfabrik Freia leisten, zogen als KZ-Häftlinge im Todesmarsch durch die Stadt. (…) Viele von ihnen haben wir verloren: Kinder, die wegen ihrer jüdischen Herkunft von den Nazis ermordet wurden. Kinder und Jugendliche, die durch den US-Amerikanischen Luftangriff auf Freiberg am 7. Oktober 1944 getötet wurden. Kinder, die von verzweifelten Eltern zum Zeitpunkt des Einmarsches der Roten Armee mit in den Freitod genommen wurden, Jugendliche, die als „letztes Aufgebot“ als Soldaten gefallen sind.“ Für die Ausstellung war „[d]as große Spannungsfeld zwischen dem Erlebten einerseits und dem gesellschaftlichen Vergessen andererseits [.] der Ausgangspunkt [..]. Der Generation der Kriegskinder, beispielhaft bezogen auf Freiberg, sollte daher ein Forum gegeben werden. […] Das Besondere an der Ausstellung ist das Bemühen um eine Darstellung aus der authentischen Sicht der Kinder und Jugendlichen.“ Diese Sichtweise musste aber natürlich „interpretiert, ergänzt und in die historischen Zusammenhänge eingebettet werden. […] Die Ausstellungsmacher sind sich dessen wie auch der Unvollkommenheit ihrer Anstrengungen bewusst. […] Die Exposition will zugleich vor jedem Krieg warnen. Denn eine Opfergruppe steht bereits zu Beginn eines jeden Krieges fest: die Kinder.“

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Jüdische Geschichte in Freiberg

„Die Geschichte der sächsischen Bergstadt Freiberg war über Jahrhunderte seit der Stadtgründung am Ende des 12. Jahrhunderts auch eine Geschichte der Leistung und des Anteils jüdischer Bevölkerung an der Entwicklung und am Aufblühen der Stadt und ihrer Umgebung. Bis zum frühen 15. Jahrhundert gehörte Freiberg zu jenen Städten des sächsisch-wettinischen Territoriums, in denen eine bedeutende jüdische Ansiedlung Zeichen wirtschaftlichen Wohlstands und blühenden Handels war.“1

Neben der grausamen Verfolgung und der Zwangsarbeit im KZ-Außenlager Freiberg, der jüdische Menschen in Freiberg zur Zeit des Nationalsozialismus ausgesetzt gewesen sind und über die wir in den letzten Ausgaben berichtet haben, wollen wir hier auch einmal den fast vergessenen Teil der jüdischen Geschichte Freibergs beleuchten. Denn obwohl der schreckliche Plan der Nationalsozialist_innen – die Ausrottung der europäischen Jüdinnen und Juden – leider erst viel zu spät – vereitelt werden konnte, hatten die Nazis es geschafft, die Erinnerungen an jüdisches Leben weitgehend aus dem kollektiven Gedächtnis zu verdrängen. Aus dem öffentlichen Leben waren Jüdinnen und Juden ohnehin verschwunden und auch in der DDR änderte sich daran wenig.

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„Hat eine arische Frau geküßt“

Am 28. September sollen in Freiberg insgesamt 10 neue Stolpersteine verlegt werden. Einer davon erinnert an Max Freud, der 1942 im KZ Dachau ermordet wurde.

Max Freud (1883-1942) (Quelle: Stadtarchiv)

Max Freud (1883-1942) (Quelle: Stadtarchiv)

„Mein Weg, Herr Oberbürgermeister, ist schon bestimmt. Ich ziehe die logischen Konsequenzen der heutigen Zeit, nur möchte ich meine Frau, die ich durch die Heirat als Nichtarier unglücklich gemacht habe…retten“, schreibt der Freiberger Max Freud in tiefster Verzweiflung Anfang März 1939 an den damaligen Freiberger Oberbürgermeister Dr. Werner Hartenstein.

Nur selten vermögen trockene Akten das Bild einer menschlichen Tragödie so bedrückend nachvollziehbar machen, wie jene, die sich im Stadtarchiv Freiberg unter „Ausländersachen 1935 – 1945“ zu dem aus dem tschechisch-polnischen Grenzgebiet Teschen (heute Cieszyn/Český Těšín) stammenden Handelsvertreter Max Freud noch heute finden lassen.

1909 hatte sich der damals 26-Jährige in Freiberg niedergelassen und war hier 1911 zum lutherischen Glauben konvertiert. Früh in erster Ehe verwitwet, heiratete er hier ein zweites Mal und ernährte als sächsischer Vertreter eines großen Weinhauses aus Bingen am Rhein eine bald immer größer werdende Familie mit vier eigenen Kindern und einem Pflegekind. Ein Freiberger Polizeibeamter beschrieb ihn – inmitten der Judendemagogie der Nazis - als einen „eher ruhigen, etwas menschenscheuen“, nie streitsüchtigen und nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommenen Mann. Dennoch war Max Freud seit dem Machtantritt der Nazis 1933 immer stärker unter Druck geraten und an den Rand der Gesellschaft getrieben worden. Das Freiberger Arbeitsamt entzog ihm – selbstverständlich durch Nazi-Gesetze gedeckt - im Sommer 1938 die Arbeitserlaubnis. Ende 1938 musste er seinen Gewerbeschein abgeben. Immer verzweifelter versuchte Max Freud, sich und seine Familie vor dem Ruin zu retten.

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Aufruf zur Übernahme von Patenschaften für STOLPERSTEINE in Freiberg

Am 28. September 2010 sollen in Freiberg 10 neue STOLPERSTEINE vor den einstigen Wohnhäusern von Opfern des NS-Regimes in Freiberg verlegt werden. Im Juli 2007 und Oktober 2008 waren hier die ersten 14 Steine durch den Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt worden, die die Erinnerung individuell und konkret in unsere Stadt holen und allen Versuchen des Verdrängens, Verschweigens und Vergessens entgegenwirken.

“Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist”, sagt der Initiator der Aktion. Er hat inzwischen in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas fast 20.000 Steine verlegt. Mit den in die Messingköpfe der Pflastersteine eingravierten Namen und Eckdaten wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten.

Im Aufruf der Freiberger Initiative „STOLPERSTEINE/ DENKZEICHEN für Opfer des NSRegimes“, in der sich am 28. März 2007 erstmals engagierte Freiberger Bürger, die Wirtschaftsjunioren Freiberg und Mitarbeiter des CJD zusammengefunden hatten, heißt es:

„Wir stellen uns mit dieser Initiative zur individuellen Erinnerung unserer gemeinsamen Verantwortung vor den Opfern nationalsozialistischer Gewaltherrschaft, deren Gesicht und Namen, Individualität und Menschenwürde bewahrt werden müssen.
Wir sehen uns zugleich in Verantwortung vor unserem demokratischen Gemeinwesen in der Stadt Freiberg als einer offenen, bürgerfreundlichen, toleranten und wirtschaftlich aufstrebenden Stadt, die sich allen Seiten ihrer Vergangenheit und der ihrer Bürger in Verantwortung für Gegenwart und Zukunft stellt.
Wir wenden uns mit unserer Initiative gegen jeden Versuch, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und totalitäre Ideologie erneut gesellschaftsfähig zu machen.
Wir setzen einen Gegenpol gegen Versuche, Jugendliche mit neonazistischen Wahnideen zu ködern, Intoleranz, Gewalt und antidemokratische Lösungen mehrheitsfähig erscheinen zu lassen und dafür unsere Geschichte durch Verleugnungen, Aufrechnungen oder `Schlussstrichdebatten`zu missbrauchen.“

Es gibt viele Möglichkeiten der Unterstützung dieser Initiative in unserer Stadt und in unserem Landkreis.

Für 95 Euro kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines STOLPERSTEINS übernehmen.

Wir suchen Unterstützung bei weiteren Recherchen zu den Schicksalen jener Menschen und deren Familien, an die ein STOLPERSTEIN erinnern soll.

Wir suchen Zeitzeugen und Dokumente, Fotos und Kontakte.

Wir suchen Helfer, die sich auch nach der Verlegung von STOLPERSTEINEN für den Erhalt, die Pflege und die Lesbarkeit der Steine verantwortlich fühlen.

Wir bieten Informationen, Hilfe bei Projekttagen z. B. in Schulen, Vorträge zum Thema, Literatur und ein umfangreiches Archiv, das alle Interessenten nach Rücksprache nutzen können.

Wer eine Patenschaft (95 Euro) für einen STOLPERSTEIN übernehmen möchte, wird um Einzahlung auf das Konto des CJD Chemnitz, Kto.-Nr. 125 047 100 bei der Commerzbank Chemnitz, BLZ: 870 400 00 unter Angabe des Verwendungszwecks: „Spende für Aktion Stolpersteine Freiberg 2010“ gebeten (Spendenbeleg wird zugesandt).

Fragen, Angebote weiterer Unterstützung bzw. Anforderungen erbeten an:

CJD - Geschichtswerkstatt im „Bunten Haus“
Ansprechpartner:
Dr. Michael Düsing, Uwe Scholz, Birgitt Pasternak
Tschaikowskistraße 57 a
09599 Freiberg
Tel.: 03731 201338
Email: bunteshaus[at]cjd-chemnitz.de

Geplante STOLPERSTEIN-Verlegungen 2010

Humboldstr. 34 (1 Stein)
• Szolem Druck – Humboldtstraße 34
* 1887; † Flucht in den Tod am 25.12.1938

Langestraße 41 (1 Stein)
• Max Freud – Lange Straße 41
* 1883; † 05.09.1942 KZ Dachau

Silberhofstraße 24 (1 Stein)
• Ida Dux, geb. Wehle – Silberhofstraße 24
* 1869; † gest. 15.04.1943 Vernichtungslager Treblinka

Weisbachstraße 23 (5 Steine)
• Ehepaar Abraham (* 1879) und Meta Wolff, geb. Taubenschlag (* 1887) – Weisbachstr. 23
Flucht in den Tod (Selbstmord nach Erhalt des Deportationsbefehls) am 22. bzw. 25.01.1942 in Berlin
Manfred (* 1920; † 1983 Leeds, GB) und Dorothea Gray, geb. Wolff , (* 1925;
† 2007, GB)
Flucht 1939; Kindertransport
Paula Brück, geb. Taubenschlag, (* 1885; † 1942 Auschwitz)

Burgstraße 22 (2 Steine)
• Gitta Braun, geb. Weiß – Burgstraße 22
* 1873; † 02.12.1942 Ghetto Theresienstadt
• Celestine Silberstein, geb. Weiß – Burgstraße 22
*1876; † 16.03.1943 Ghetto Theresienstadt

Die Verlegung erfolgt nach Zustimmung durch den Initiator der Aktion STOLPERSTEINE, Gunter Demnig (Köln), durch Mitarbeiter der Stadtverwaltung Freiberg, da G. Demnig an diesem Termin anderweitig gebunden ist.

Teilnahme an Verlegung haben bisher (neben Offiziellen der Stadt/LK) zugesagt:

· Richard Gray, Bournemouth, GB, Enkel v. Meta und Abraham Wolff
· Dr. Nora Goldenbogen, Vors. d. Jüdischen Gemeinde Dresden
· Dr. Ruth Röcher, Vors. d. Jüdischen Gemeinde Chemnitz
· Uta Franke, Berlin, Koordinatorin der Aktion „Stolpersteine“

Am Abend des 28.09.2010, 20:00 Uhr, wird im Kinopolis Freiberg der in Cannes ausgezeichnete Dokumentarfilm „Stolperstein“ gezeigt; anschließend Diskussion. Begleitend im Foyer des Kinopolis geplant: Posterausstellung „Stolpersteine in Freiberg“

Die Fronfeste

In dem Haus wurden 1933-1935 politische Gefangene eingesperrt und gefoltert.

In dem Haus wurden 1933-1935 politische Gefangene eingesperrt und gefoltert.

Viele Spuren des Nationalsozialismus sind in Freiberg längst vergessen. Dazu gehört auch die Geschichte des Gebäudes an der Ecke Nonnengasse/Waisenhausstraße, in dem sich heute das „Hotel am Markt“ befindet. Das geschichtsträchtige Gebäude wurde um 1500, nach dem großen Stadtbrand, gebaut. Eine Plakette am Haus erinnert an seine Funktion als Waisenhaus, die es ab 1808 erfüllte. Später befand sich dort die Knabenbürgerschule. Zeitweise wurde das Gebäude außerdem als sogenannte „Fronfeste“ genutzt. “In Friedenszeiten wurden Landstreicher und grölende Trunkenbolde inhaftiert, in Kriegszeiten der jeweilige Gegner“, so wird auf der Website des „Hotels am Markt“ die Funktion benannt. Eine Fronfeste ist also ein Ort zur Verwahrung von Menschen. Auch Folterungen fanden dort statt. Über die Zeit des Nationalsozialismus aber schweigen sowohl die am Haus befestigte Plakette, als auch die Website des Hotels. Dort heißt es lediglich: „Während und nach dem zweiten Weltkrieg wurden hier Lebensmittelkarten für die Freiberger verteilt.“

Allerdings errichteten die Nationalsozialisten bereits wenige Jahre zuvor an selber Stelle ein sogenanntes Schutzhaftlager, in dem Oppositionelle eingesperrt und gefoltert wurden. Eine weitere Terrorstätte befand sich im Gebäude des ehemaligen Porzellanwerkes am Hammerberg. Dort wurden mindestens 38 Antifaschisten grausam gefoltert. In der Fronfeste waren teilweise bis zu 26 Häftlinge inhaftiert. Auch der spätere Freiberger Bürgermeister und Buchenwald-Überlebender Karl Günzel wurde am 7. März 1933 eingekerkert, ebenso wie die Leitungsmitglieder der KPD, die Gebrüder Beckert, zwei Tage später. Nachts soll der NSDAP-Kreisleiter die eingesperrten Häftlinge durch den Türspion beobachtet haben. Für ihre Bewachung und ebenso für die Verpflegung hatten die Häftlinge selbst zu zahlen. Der Tagessatz des Polizeiamtes betrug zwei Reichsmark, was damals allerdings sehr viel Geld gewesen ist.1

Die „Schutzhaftlager“ existierten in Freiberg bis Ende 1935. Mit der Einführung von Sondergerichten wurden Tausende – das Sondergericht des Landes Sachsen hatte seinen Sitz in Freiberg - in Schnellprozessen zu Haftstrafen verurteilt und später in Konzentrationslager überführt. Angesichts der verübten Verbrechen wäre ein Hinweis am Haus und in der Rubrik Geschichte auf der Website des Hotels wohl durchaus angebracht. Zumal sich am Haus bereits eine Gedenkplakette befindet, die die Zeit des Nationalsozialismus allerdings ausspart.

1Bélafi, Béla (1986): Von der Errichtung der faschistischen Diktatur bis Kriegsbeginn. In: Kasper, Hanns-Heinz/Wächtler, Eberhard (Hrsg.): Die Geschichte der Bergstadt Freiberg. Weimar, Hermann Böhlaus Nachfolger: S. 282

Im Westen von Freiberg nichts Neues

In unserer letzten Ausgabe berichteten wir über die miserablen Zustände, unter denen Asylsuchende im Heim auf der Chemnitzer Straße leben müssen. Dass derart perversen Zumutungen, wie wir sie dort erfahren haben, auch zukünftig in unserer Zeitung nicht unkommentiert bleiben werden, versteht sich von selbst. Über zwei Monate sind nun vergangen, seitdem die Aufnahmen von riesigen Schimmelpilzen, oder der Ungezieferplage veröffentlicht worden sind. Heimbewohner berichteten, dass es seit mehr als 10 Jahren keine größeren Renovierungen mehr gegeben hatte. Doch seit kürzerem durchbrechen einige Baumaßnahmen am Asylbewerberheim diese Kontinuität.

Bereits Mitte Mai wurde begonnen, einige Treppenaufgängen neu zu streichen. Bis jetzt sind alle Treppenaufgänge der drei Abteilungen neu gestrichen und deren Geländer lackiert worden. Doch unter der Betrachtung der Schäden, wie der Insektenplage, oder gesundheitsgefährdender Schimmelpilze auf den Toiletten, Duschen und Gängen, erscheint dieser erste Akt einer Renovierung recht nutzlos für die Bewohner_innen. Dagegen wurde im Innenhof des Heims, auf dem sich die Eingänge und der Spielplatz befinden, offenbar kräftiger „investiert“. Ein über zwei Meter hoher Zaun schließt den Innenhof nun zur Hälfte ein, dazu haben ab sofort zwei neu installierte Kameras die Bewohner_innen und Besucher_innen im besagten Innenhof im Auge. Seit Mitte Juni obliegt die Heimleitung nun einer jüngeren Frau. In einem Gespräch mit dem FreibÄrger gab sie an, dass der Zaun zum Schutz der Kinder gebaut worden sei, die auf dem Spielplatz direkt neben einer Einfahrt zu einem nahe liegenden Wohnpark spielen. Dass der Zaun etwa fünf Meter neben dem Spielplatz aufhört und die Kinder dennoch auf den so gut wie nie befahrenen Weg laufen können, spielt dabei offenbar keine Rolle. Auch nicht, dass der Zaun jetzt eben mal so einen befestigten Fußweg vom Heim kreuzt. Auf den Hinweis, dass doch an vielen Stellen in den Sanitärbereichen Schimmelpilze in hohem Maße vorhanden sind, äußerte sie sich verständnisvoll, dass natürlich solche Pilze die Gesundheit schädigen, aber dass sie bereits alle Stellen überstrichen habe. Natürlich kann das aber keine dauerhafte Lösung sein, so die Heimleiterin, da teilweise die Farbe schon wieder abblättert. Größere Renovierungen werden durch den Eigentümer beschlossen, sie selbst sei nur Mieterin. Ein Gespräch über weitere Maßnahmen würde aber bald statt finden.

Diese Änderungen lassen nicht wirklich auf eine baldige echte Verbesserung für die Bewohner_innen hoffen. Auch eine große Renovierung kann nichts daran ändern, dass sich die Sanitärbereiche und Küchen auf den Gängen befinden, Privatsphäre und Ruhe also vergeblich gesucht werden. Dagegen würde die dezentrale Unterbringung in ganz normalen Wohnungen Kosten sparen und das Gemüt der von Abschiebung bedrohten Menschen entlasten. Nur scheint dieser Schritt scheinbar nicht erwünscht zu sein.